Rohstoffe als Anlage
Endlose Jagd auf Kupfer und Kakao

Die Schwellenländer wachsen - und mit ihnen steigt der Bedarf an Rohstoffen. Worauf Investoren achten sollten, und was wirklich hinter dem "Superzyklus" steckt.
  • 0

FrankfurtOb Öl oder Baumwolle, Zucker oder Eisenerz – Rohstoffe spielen im Welthandel eine wichtige Rolle. Sie stellen mehr als ein Drittel aller gehandelten Güter dar. Damit gelten sie als eigene Anlageklasse. Und die sollten auch Anleger nicht unterschätzen. Denn mit dem steigenden Wohlstand der Schwellenländer steigt auch deren Bedarf an Rohstoffen: von Energie über Edelmetalle und Industriemetalle wie Kupfer bis zu landwirtschaftlichen Produkten, etwa Weizen oder Kakao.

Die Anlagethemen Schwellenländer und Rohstoffe sind deshalb eng verwoben: Viele Emerging Markets sind wichtige Förderländer für die sogenannten Commodities – wegen ihres starken Wachstums werden sie gleichzeitig als Nachfrager immer wichtiger und treiben so die Preise. Ein Extrembeispiel sind die sogenannten Seltenen Erden. 95 Prozent des Weltmarktbedarfs werden aus China bedient. Diese Metalle sind in vielen wichtigen Technologiezweigen, wie zum Beispiel in der Produktion von Computer und Handychips, unentbehrlich – und deshalb so begehrt.

Auch die Nachfrage nach Agrarrohstoffen wächst stetig, seit sich immer mehr Menschen aus den aufstrebenden Ländern teurere Lebensmittel leisten können. So hat sich der Preis für Weizen seit Sommer 2010 nahezu verdoppelt. Absolute Gewinner waren in diesem Jahrtausend die Edelmetalle. Der Goldpreis ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und lässt alle anderen Rohstoffwerte hinter sich.

Den Aufschwung der Schwellenländer und die damit verbundene wachsende Nachfrage nach Rohstoffen bezeichnen Marktexperten als „Superzyklus“. Dahinter steht die Idee von der langfristig wachsenden Nachfrage, die auf nur begrenzt steigerbare Produktion trifft; das heißt, die Rohstoffpreise müssen zwangsläufig steigen. „Der Zyklus ist noch intakt, da Länder wie China und Indien noch immer Nachholpotenzial besitzen“, sagt Carsten Fritsch von der Commerzbank.

Die Preise in einzelnen Rohstoffsegmenten haben sich in der Vergangenheit aber recht unterschiedlich entwickelt. Das dürfte auch künftig so sein. „Die Nachfrage wird besonders in den Bereichen Energie, Metalle und Landwirtschaft immer stärker“, sagt Stephan Werner von der Fondsgesellschaft DWS. Das Stichwort Superzyklus garantiert allerdings keine Gewinne ohne Risiko. Über die Hälfte der Nachfrage nach Metallen beispielsweise kommt aus Asien, ein großer Teil davon aus China. Die politische Instabilität in solchen Ländern kann zum Problem werden, wenn Anleger etwa über Aktien von Förderunternehmen in Rohstoffe investieren. „Wird das Unternehmen verstaatlicht, dann ist die gesamte investierte Summe weg“, sagt Werner.

Heute hat der Anleger eine große Produktpalette zur Auswahl. Vor allem kann er über Fonds in breit gestreute Rohstoffdepots investieren, die sich teilweise an bekannten Indizes orientieren. Hier wären Marktverwerfungen etwa durch Streiks in Minen, Verstaatlichungen von Förderern oder Ernteausfälle eher von Vorteil – das würde über Preissteigerungen der betreffenden Rohstoffe dem Anleger eher nutzen.

Das vielleicht größte Risiko für die kurzfristigen Preistrends ist allerdings die Konjunkturlage. Aktuelles Beispiel ist der Kupfermarkt. Ein großer Teil der Nachfrage kommt aus China. „Sollte sich Chinas Wachstum verlangsamen, wird man das am Kupferpreis erkennen können“, sagt Rohstoffexperte Werner. Die globalen Konjunktursorgen spiegeln sich hier schon wider. Nachdem der Kupferpreis im vergangenen Jahrzehnt kräftig gestiegen war, fiel er zuletzt binnen weniger Monate von etwa 10 000 auf 7000 Dollar je Tonne zurück. Wer sein Depot mit Rohstoffen bestücken will, muss daher wissen, worauf er sich einlässt. Nicht immer lohnt ein solches Geschäft, meint Fritsch. Die Zeiten, in denen die Rohstoffpreise stiegen, wenn es am Aktienmarkt bergab ging, seien vorbei, sagt er. So bleibt als Kaufargument vor allem die These vom Superzyklus.

Kommentare zu " Rohstoffe als Anlage: Endlose Jagd auf Kupfer und Kakao"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%