Rohstoffe
Der Kollaps kennt kein Ende

Die Preise sind bereits im Keller, doch Besserung ist für Rohstoffe noch längst nicht in Sicht. Hedgefonds vertrauen nur der Negativtendenz. Ihre Wetten auf fallende Preise sind so zahlreich wie nie zuvor.

ChicagoDer Absturz der Rohstoffpreise, der den Ölpreis auf ein Zwölf-Jahres-Tief gedrückt hat und Kupfer auf den niedrigsten Stand seit 2009, ist noch nicht vorbei. So zumindest sehen das die Hedgefonds.

Vermögensverwalter haben ihre kombinierte Netto-Baisse-Position bei 18 Rohstoffen auf den bisher höchsten Wert ausgeweitet. Damit habe sich die negativen Wetten innerhalb von nur zwei Wochen verdoppelt. Eine Ertrags-Messgröße für Rohstoffe ist in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Wert seit 25 Jahren gesunken. Metalle, Agrarrohstoffe und Energie-Terminkontrakte brachen angesichts von Angebotsschwemmen und eines flauen Ausblicks für die Weltwirtschaft ein.

Die Marktturbulenzen in China, dem größten Rohstoffkäufer, verstärken die Besorgnis zum Konsum. Ein stärkerer Dollar zehrt auch an der Attraktivität von Rohstoffen als Alternativanlagen. Zwar prognostiziert Goldman Sachs, dass der längere Preiseinbruch zu mehr Angebotskürzungen führen wird. Die Bank erwartet aber keine unmittelbare Erholung der Preise.

„Es herrscht Angst am Markt“, berichtet Lara Magnusen, Portfolio-Managerin bei Altegris Investments. Die Leute sind „sehr besorgt wegen des schwächeren Wirtschaftswachstums, wegen dem, was in China passiert sowie des Ansteckungseffektes“, erläutert sie.

Angesichts eines starken US-Dollars und weiteren Zinssenkungsüberlegungen der Federal Reserve „gibt es derzeit nicht sehr viele Möglichkeiten für Investments“, sagt Magnusen. „Leerverkäufe von Rohstoffen sind eine recht gute Möglichkeit.“

Die Netto-Leerverkaufsposition bei 18 in den USA gehandelten Rohstoffen stieg per 12. Januar auf 202.534 Terminkontrakte und Optionen. Dies geht aus Zahlen hervor, die von der U.S. Commodity Futures Trading Commission veröffentlicht wurden. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenreihe 2006 und ein deutlicher Anstieg verglichen mit den 164.203 Kontrakten eine Woche zuvor.

Der Bloomberg Rohstoffindex hat in der vergangenen Woche 4,2 Prozent nachgegeben und erreichte das niedrigste Niveau seit seiner Einführung 1991. Im vergangenen Jahr ist der Index das fünfte Jahr in Folge gesunken.

Das Überangebot ist der wichtigste Faktor für die Baisse bei Rohstoffen, schrieben Goldman-Analysten um Jeffrey Currie in einer Studie am 15. Januar. Die Preise müssen wohl noch weiter fallen, um die für das Ende der Schwemme nötigen Produktionskürzungen herbeizuführen. Jedoch dürfte im späteren Jahresverlauf eine Erholung an den Märkten einsetzen, was die "Geburt einer neuen Hausse einleiten dürfte", sagten die Analysten.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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