Rohstoffe
Der Ölpreis purzelt – und dürfte auch weiter fallen

Der Ölpreis liegt am Dienstag fast drei Prozent im Minus. Und die Weltbank glaubt, dass wegen des Atomabkommens mit dem Iran der Preis weiter sinken wird. Mehrere Faktoren sprechen gegen den Rohstoff.
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Washington/WienDie Ölpreise sind am Dienstag deutlich gefallen. Die Sorte Brent verlor 2,6 Prozent auf 49,09 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl (WTI) fiel sogar um 3,7 Prozent auf 43,31 Dollar. Einer der Gründe: China beim Öl
ist einer der größten Verbraucher des Rohstoffs – und die Stützung des Wechselkurses des Yuan durch die chinesische Zentralbank lässt Befürchtungen über ein Abflauen der chinesischen Konjunktur aufkommen.

Die geplante Aufhebung internationaler Sanktionen gegen den Iran im Zuge des Atomabkommens wird laut Weltbank den ohnehin niedrigen Ölpreises weiter drücken. Bei einer „vollständigen Rückkehr des Iran auf den Weltmarkt“ werde der Preis 2016 um zehn Dollar (9,12 Euro) pro Barrel sinken, heißt es in einem in Washington veröffentlichten Weltbank-Bericht. Die Erdölstaaten der Opec hoffen unterdessen auf eine wachsende weltweite Nachfrage.

Die Weltbank geht davon aus, dass nach dem Ende der Sanktionen gegen den Iran täglich eine Million Barrel Öl (ein Barrel sind 159 Liter) zusätzlich auf den Markt kommen. Falls der Ölpreis dann tatsächlich um zehn Dollar (9,12 Euro) pro Barrel billiger wird, wäre dies im Vergleich zu den aktuellen Preisen ein Rückgang um gut 20 Prozent. Öl ist derzeit wegen des großen Angebots auf den Weltmärkten ohnehin relativ günstig. Für weitere Unsicherheit sorgt das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China.

Nach Einschätzung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird sich in den nächsten Monaten und im kommenden Jahr die Schere zwischen Angebot und Nachfrage etwas schließen. Die Organisation erhöhte am Dienstag ihre Vorhersage für das laufende Jahr; demnach werden im Jahresschnitt 1,38 Millionen Barrel pro Tag mehr nachgefragt als 2014. Das sind noch einmal 100.000 Barrel pro Tag mehr als im Juli prognostiziert. Im kommenden Jahr wächst die Nachfrage demnach um weitere 1,34 Millionen Barrel pro Tag. Das „Ungleichgewicht“ von Angebot und Nachfrage werde somit „nach und nach“ verringert, erklärte die Opec in Wien.

Die zwölf Opec-Mitglieder produzieren ein Drittel des weltweit verbrauchten Erdöls. In früheren Jahren reagierte die Organisation oft mit einer Drosselung der Fördermenge auf sinkende Preise. Ende vergangenen Jahres vollzog sie jedoch eine Abkehr von dieser Praxis und entschied trotz eines heftigen Preisverfalls, die tägliche Fördermenge weiter bei 30 Millionen Barrel pro Tag zu belassen. Ende Juli bekräftigte Opec-Generalsekretär Abdullah al-Badri bei einem Besuch in Moskau, dass die Organisation die Fördermenge weiterhin nicht senken wolle.

Von Juni vergangenen Jahres bis Januar 2015 war der Ölpreis um rund 60 Prozent auf etwa 45 Dollar pro Barrel gefallen. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung gingen die Preise zuletzt wieder auf Talfahrt. Am Dienstag wurde ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im September auf den asiatischen Märkten für 44,49 Dollar gehandelt, ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 49,96 Dollar.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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