Rohstoffe
Der Sägemehl-Preisschock

Der Einbruch am US-Immobilienmarkt trifft auch völlig andere Branchen: Seit 2006 hat sich der Preis für Sägemehl vervierfacht, eine Tonne kostet heute soviel wie ein Barrel Öl. Die Unternehmen suchen nun nach Alternativen.

MISSOULA. Dass Öl einmal 100 Dollar je Barrel kosten würde, das hat sich Ernie Johnson vorstellen können. Aber der 58-jährige Geschäftsmann aus Missoula, Montana, hätte nie gedacht, dass er für Sägemehl 100 Dollar die Tonne zahlen müsste.

Der Preis von Sägemehl ist seit 2006 auf einigen Märkten von 25 Dollar die Tonne auf über 100 Dollar gestiegen. Ein Grund ist der Einbruch des Immobilienmarkts: Weniger neue Häuser bedeutet, dass weniger Bauholz zugeschnitten wird, es fällt also weniger Sägemehl an. Die Folge sind steigende Preise. „Ich habe noch nie erlebt, dass Sägemehl so schwer zu finden ist. Wir müssen 400 Meilen fahren, um es zu besorgen“, sagt Johnson, Chef der Johnson Brothers Contracting. Die Firma verkauft alles vom Rindenmulch für Landschaftsgärtner bis zu Holzschnitzel für Papiermühlen.

Sägemehl mag ein schlichter Rohstoff sein. Aber er ist in der modernen Wirtschaft weit verbreitet. Farmen nutzen Sägemehl und Holzspäne als bequeme und saubere Liegeschichten für Pferde und Hühner. Spanplattenhersteller verarbeiten den Rohstoff massenweise.

Autoteile-Hersteller mischen pulverisiertes Sägemehl, Holzmehl genannt, mit Plastikpolymeren, um Abdeckungen und Armaturenbretter herzustellen, die wenig wiegen.

Die Misere am Wohnungsmarkt hat die Sägemehlproduktion in den USA stark schrumpfen lassen. Die Nutzholz-Erzeugung im pazifischen Nordwesten wird in diesem Jahr auf rund 15 Mrd. Board Feet (1,000 Board Feet ( 1 MBF) = 2.36 m3 ) geschätzt. Dies ist fast ein Fünftel weniger als 2006. Dies bedeutet ein Minus von 1,5 Mill. Tonnen Sägemehl und Holzspänen.

Dabei ist erstaunlich, welche Industriezweige Holzabfälle einsetzen. Winzer etwa benutzen Eichenspäne als Geschmacksverstärker. Und Explorationsfirmen in Wyoming und Colorado pumpen Sägemehl in Höhlen. Dadurch erhalten die Bohrer den nötigen Widerstand um bei der Ölsuche in die Tiefe vordringen zu können. „Eine Höhle kann die Größe eines Raumes oder eines Hauses haben“, sagt Gene Stulce. Seine Firma Valley View Distributing in Spanish Fork, Utah, verkauft Sägemehl an Explorationsunternehmen. Der Preis für eine Lastwagenladung von 23 Tonnen ist seit 2006 von rund 400 auf 2 000 Dollar gestiegen. Ganz glücklich ist Stulce darüber nicht. Er findet schlicht nicht genug Sägemehl. Der Mangel kostet ihn rund 30 000 Dollar Umsatz im Monat. Er hat daher zehn seiner 22 Mitarbeiter entlassen.

Die Sägemehl-Knappheit führt bereits zu ungewöhnlichen Lösungen. Johnson etwa schlachtet abbruchreife Häuser aus und vermahlt das Holz. Zudem hat er einen kostenlosen Schuttabladeplatz für Altholz eingerichtet. Gene Stulce aus Utah berichtet, dass die Explorationsfirmen mangels Sägemehl bereits Ersatzstoffe in die Bohrlöcher verfüllen: „Sie pumpen Mandel- und Walnussschalen hinein, alles, was sie bekommen können.“

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