Rohstoffe
Der Schock an der Zapfsäule

Tanken ist teuer wie nie zuvor. Das trifft vor allem Berufspendler und Urlaubsheimkehrer. Und es könnte noch teurer werden - je nachdem, wie es mit der Eurokrise weitergeht. Nun werden drastische Maßnahmen vorgeschlagen.
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DüsseldorfMarkus hatte Recht. „Und kost Benzin auch 3,10 Mark, scheißegal, es wird schon gehen, ich geb' Gas“, sang der Musiker in den 1980er-Jahren. Damals konnte man sich noch gut über die Spritpreise lustig machen. 3,10 Mark, das wären umgerechnet 1,59  Euro gewesen – und zu jener Zeit vermutlich so realistisch wie ein Fußballspiel auf dem Mond.

Heute sieht die Sache schon ganz anders aus. Jeder Autofahrer würde sich über einen solchen Preis an der Tankstelle freuen und dem Pächter vermutlich noch Trinkgeld dafür geben. Stattdessen ist Sprit so teuer wie niemals zuvor.  

Ein Liter der wichtigsten Sorte Super E5 kostete heute 1,76 Euro, wie eine Sprecherin der Mineralölindustrie mitteilte. Das bei vielen Autofahrern unbeliebte Öko-Benzin Super E10 lag bei 1,72 Euro pro Liter. Diesel kam auf 1,56 Euro.

Die Sprecherin begründete das hohe Preisniveau mit dem anhaltend hohen Ölpreis. Außerdem trifft der schwache Eurokurs nun die Autofahrer: Öl und Ölprodukte werden weltweit in Dollar gehandelt. Wenn der Euro gegen den Dollar fällt - wie es dieses Jahr wegen der Schuldenkrise - wird Benzin für deutsche Kunden immer teurer.
Die hohen Benzinpreise treffen neben den Berufspendler vor allem auch die Urlaubsheimkehrer: In großen Bundesländern wie Bayern, Niedersachsen oder Sachsen laufen noch die Sommerferien, in Nordrhein-Westfalen gehen sie gerade zu Ende. Die letzte Rückreisewelle steht also noch aus.
Mit den Zahlen bestätigte die Mineralölindustrie Angaben des ADAC: Nach einer Erhebung des Autoclubs kostete E10 schon am Samstag im bundesweiten Schnitt 1,69 Euro. Diesel verteuerte sich auf 1,54 Euro am Samstag. Die Zahlen von Club und Ölindustrie weichen immer leicht voneinander ab, weil der ADAC auch die billigen freien Tankstellen in den Durchschnittspreis einrechnet.

Der ADAC erinnert bei der Suche nach Ursachen der Rekordpreise neben Rohöl und Euro auch an das Schulferienende im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dennoch hält der ADAC die Preise für überteuert. Strategisches Tanken hilft wenigstens ein bisschen: Montags und dienstags ist der Sprit erfahrungsgemäß etwas günstiger. Außerdem seien meistens die Preise abends billiger als morgens, sagte ein Sprecher.

Kommentare zu " Rohstoffe: Der Schock an der Zapfsäule"

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  • stellt euch auf die 2,01 EUR pro Liter ein!

  • Die Preise sind auch kein Zufall. Sie sind politisch gewollt. Das läuft so: sobald der Ölpreis sinkt, erhöht Schäuble eine der vielen Steuern im Benzin. Die Leute merken das dann erst beim nächsten Zyklus, wenn der Ölpreis wieder nach oben geht. Daß die CDU damit ein Problem hat, ist nur Theater: Merkel hat schon 1997 gesagt, daß ihrer Meinung nach Energie in D. zu billig ist und hohe Energiesteuern notwendig sind, um die Freiheiten und den Wohlstand des Bürgers kaputt zu machen.

  • iIn den 80ern verbrauchten Autos rund 30% mehr Treibstoff !
    Wir verdienten auch weniger !
    Ein Haus kostet jetzt das Doppelte !
    Einen Porsche kann man auch sehr sparsam fahren und geniesen ( natürlich ohne Neider ! ) .

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