Rohstoffe
Die Gier nach Gold

Je dunkler die Zeiten, desto heller glänzt Gold. Im Sturmlauf übersprang der Preis für das Edelmetall am Freitag erstmals seit März 2008 wieder die Marke von 1 000 Dollar je Feinunze. Nun ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Rekord. Experten warnen allerdings vor allzu großen Hoffnungen.

HB NEW YORK/FRANKFURT. Seit je treibt die schiere Zukunftsangst der Menschen die Edelmetallpreise mit am stärksten. Als vermeintlich sicherer Hafen in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise ist Gold die Fluchtwährung schlechthin. Experten halten schon in Kürze einen neuen Höchststand für möglich, der bisherige Rekord wurde im März 2008 bei 1 033 Dollar aufgestellt. Am Freitag kletterte der Goldpreis seitdem erstmals wieder über die Marke von 1 000 Dollar je Feinunze und stieg an der Rohstoffbörse in London bis auf 1 005,78 Dollar. Im asiatischen Handel zum Wochenauftakt gab der Preis allerdings wegen kurzfristiger Gewinnmitnahmen zunächst wieder bis auf rund 985 Dollar nach.

"Wohin mit dem Geld?", fragen sich Anleger. Der weltweit bekannteste Aktien-Leitindex Dow Jones gerade auf den tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren fiel. Der deutsche Dax sackte am Freitag um fast fünf Prozent auf 4 014,66 Zähler ab und lag damit so niedrig wie seit Anfang November 2004 nicht, auf Wochensicht hat der Leitindex rund neun Prozent verloren. Die Abstürze auf beiden Seiten des Atlantiks dürften "für eine anhaltend positive Grundstimmung für Gold sorgen", schätzt Commerzbank-Experte Eugen Weinberg.

"Investoren hören Billionen und Aberbillionen sowie Rettungspaket nach Rettungspaket", sagt Analyst Tom Pawlicki vom Rohstoffbroker MF Global in der "Financial Times". "Und sie sehen Gold als einzige Anlage, die noch zum Kapitalerhalt taugt." Wegen der Zinssenkungen der Zentralbanken sind auch Spar- und Festgeldrenditen in Europa und mehr noch in den USA immer magerer, wenn auch zumindest sicher.

Ein Beleg des Goldrauschs: Einige börsengehandelte Goldfonds halten inzwischen größere Bestände des Edelmetalls als im Tresor mancher Zentralbank lagern. So macht der weltgrößte Anbieter SPDR Gold Trust wegen des Anlegeransturms gerade der Schweizer Nationalbank als bislang sechstgrößter Goldhalterin Konkurrenz. Mit Gold schnellten auch die Preise anderer Edelmetalle wie etwa Silber in die Höhe.

Seite 1:

Die Gier nach Gold

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%