Rohstoffe
Drohungen aus Iran treiben Ölpreise

Die Angst vor einer Zuspitzung des Streits mit dem Iran treibt den Ölpreis über 100 Dollar. Im Teheran wird die Blockade der Straße von Hormus diskutiert. Das schürt die Spekulationen auf Lieferengpässe
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Singapur/FrankfurtDas Säbelrasseln aus dem Iran hat am Dienstag die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 3,6 Prozent auf 100,77 Dollar und war damit wieder so teuer wie zuletzt vor etwa drei Wochen. US-Leichtöl kostete mit 87,21 Dollar rund vier Prozent mehr als am Vorabend. Hinter dem Preisanstieg stehen Spekulationen auf Lieferengpässe, nachdem am 1. Juli das EU-Embargo für Öl aus dem Iran in Kraft getreten war. Die Regierung in Teheran will sich damit nicht abfinden. Am Montagabend legte der einflussreiche Parlamentsausschuss für nationale Sicherheitsfragen und Außenpolitik nach Angaben aus Teheran einen Gesetzentwurf für die Blockade der Wasserstraße von Hormus vor. Zudem testete der Iran nach eigenen Angaben erfolgreich Mittelstreckenraketen, die Ziele in Israel treffen könnten.

"Iran ist immer ein Faktor, und es hat das Potenzial, einen dramatischen Einfluss auf die Ölpreise zu haben", erklärte Ben Le Brun, Marktanalyst bei OptionsXpress in Sydney. Zuletzt hatte Brent Anfang Juni über 100 Dollar je Fass notiert. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten maritimen Handelsrouten überhaupt. Im vergangenen Jahr wurden täglich rund 17 Millionen Barrel Öl - fast ein Fünftel der globalen Produktion - durch die Straße transportiert. "Bemerkenswert ist, dass selbst schwächere Konjunkturdaten wie der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA die Preiserholung nicht stoppen können", sagte Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank in Frankfurt.

Das EU-Embargo über den Iran ist seit Monaten vorbereitet worden und steht im Zusammenhang mit dem Streit des Westens mit dem Iran über dessen Atomprogramm. Analysten rechnen kaum mit einer Blockade, da dies angesichts der US-Militärpräsenz in der Region kaum durchsetzbar sei. Allerdings sind die Töne aus Teheran zuletzt wieder schriller geworden. Die Raketen-Test sind laut staatlichem iranischen Fernsehen aber eine Antwort auf Drohungen Israels.

Neben den Spannungen um den Iran trägt Händlern zufolge auch ein Streik von Ölarbeitern in Norwegen - es ist der weltweit achtgrößte Ölexporteur - zu den Preissteigerungen bei. Erstmals habe der Arbeitskampf jetzt auch zu Verspätungen bei den Öllieferungen beigetragen, hieß es in Oslo.

Börsianern zufolge könnte der Preisanstieg beim Öl den Notenbankern zusätzliches Kopfzerbrechen bereiten. Denn mit den höheren Energiekosten steigt die Inflationsgefahr - und das genau zu dem Zeitpunkt, da sich die großen Zentralbanken der Welt auf eine neue Lockerungsrunde vorbereiten könnten. Am Donnerstag wird beispielsweise sowohl für die Euro-Zone als auch für Großbritannien mit neuem geldpolitischen Stimulus gerechnet: Die EZB dürfte die Zinsen um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent senken. Die Bank of England wird vermutlich die Notenpresse wieder anwerfen und erneut Staatsanleihen kaufen, um damit der heimischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Auch in den USA könnte die Notenbank zu diesem Mittel greifen, sollten die am Freitag anstehenden Arbeitsmarktdaten für Juni schwach ausfallen. Schließlich wird in China mit einer Senkung der Mindestreserve für die Banken gerechnet, falls die Konjunktur in der zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter lahmen sollte.

Bei dieser Gemengelage erfreut sich an den Rohstoffmärkten Gold wieder größerer Beliebtheit. Das gelbe Metall verteuerte sich am Nachmittag um 1,3 Prozent auf 1617,30 Dollar je Feinunze und notierte damit so hoch wie zuletzt am 20. Juni.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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