Rohstoffe
Dürre treibt Wollpreise

Eine schwere Trockenheit trifft Australien, die Farmer haben ihre Schafherden drastisch reduziert. Der Wollpreis ist seit Monaten gestiegen, getrieben von der Furcht vor einem langfristigen Angebotsdefizit. Besonders chinesische Einkäufer fürchten um ihre Textilproduktion.

GOULBURN. In Australien herrscht die schlimmste Dürre seit Menschengedenken, und Peter Foley ist ganz direkt davon betroffen. „Eigentlich sollte das Gras jetzt kniehoch stehen“, sagt der Bauer und bückt sich. Dort, wo in normalen Jahren Tausende seiner Schafe weiden, gleicht der Boden einer Steppe. Foley lebt bei Goulburn, rund drei Stunden südlich der australischen Stadt Sydney.

Goulburn ist die Wiege der australischen Wollindustrie, Foley ein Wollproduzent der fünften Generation. Doch er schämt sich schon fast, sich Wollbauer zu nennen: Er hat einen großen Teil seiner Tiere verkauft, zu Schleuderpreisen. „Im Oktober erhielt ich für ein Schaf 30 Cents“, sagt er. „Es gibt schlicht kein Futter mehr.“

Es sind solche Schicksale, die dem Preis für australische Wolle in den vergangenen Wochen und Monaten einen seit Jahren nicht mehr gesehenen Aufschwung verschafft haben. Von einigen zwischenzeitlichen Rückschlägen abgesehen, ist der australische „Eastern Market“- Indikator im Verlauf der letzten drei Monate um rund 30 Prozent gestiegen. Vor einem kurzzeitigen Einbruch Ende Januar war der Indikator auf 962 Cents (rund 5,76 Euro) pro Kilogramm geklettert. Er liegt damit allerdings noch klar unter dem Höchststand von 1 189 Cents, den er im Januar 2003 erreicht hatte.

Die Sorge um einen Rückgang des Angebotes ist eindeutig der Treiber der Entwicklung. Es ist eine begründete Sorge, wie der Chefökonom von Woolmark erklärt. Chris Wilcox erwartet für den kommenden australischen Herbst einen Rückgang der Menge an offerierter Wolle von 20 Prozent. „Das ist eine massive Verringerung des Angebotes“, sagt der Experte.

Die Dürre, die seit rund sieben Jahren in weiten Teilen Südostaustraliens herrscht, hat immer mehr Bauern gezwungen, die Größe ihrer Herde zum Teil drastisch zu reduzieren. Zwar ist Australien mit 100 Millionen Schafen nach wie vor der bedeutendste Wollproduzent der Welt – deutlich vor Neuseeland und Südafrika. Aber der Rückgang der Wollproduktion ist spektakulär. Im Boomjahr 1988/ 1989 erzeugten die australischen Bauern noch insgesamt 959 Mill. Kilogramm. Im Wolljahr 2005/2006 waren es nur noch 456 Mill. Kilogramm. Und Prognosen zufolge soll der landesweite „Clip“, wie die Schur im Branchenjargon heißt, im laufenden Jahr gar auf 420 Mill. Tonnen schrumpfen.

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