Rohstoffe
Ebbt die Ölflut ab?

Laut der Internationalen Energieagentur könnten sich Ölangebot und -nachfrage 2017 ausbalancieren. Vom Treffen der Förderstaaten in Doha erhofft sie sich aber wenig. Aufsehen erregt derweil ein Brief aus Katar.

Frankfurt am MainDie schlechte Nachricht für alle Ölproduzenten zuerst: Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet bis Ende des Jahres keine Ausbalancierung des Marktes. So soll zwar das Wachstum der Nachfrage von 1,8 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag im Jahr 2015 auf nur noch 1,16 Millionen Barrel sinken, während gleichzeitig die Produktion zurückgeht. Vor dem nächsten Jahr sei eine Marktbalance jedoch unwahrscheinlich.

Auch wenn der Förderboom in den USA weiter abebbe und der Iran nach Aufhebung der Atom-Sanktionen die Produktion nicht so stark hochfahre wie erwartet, werde in diesem Jahr weltweit dennoch immer noch mehr Öl produziert als verbraucht.

Dennoch erkennt die Agentur, die Industrieländer in Energiefragen berät, einen deutlichen Rückgang beim Überangebot. Produzierte die Welt Anfang des Jahres noch 1,5 Millionen Fass über Bedarf, sollen es im dritten und vierten Quartal nur noch 200.000 Barrel zu viel sein.

Von dem für Sonntag in Doha (Katar) geplanten Treffen des Ölkartells Opec mit weiteren großen Ölförderländern wie Russland erwartet sich die IEA allerdings nur sehr wenig. „Wenn sich die Länder nur auf eine Deckelung statt eine Kürzung ihrer Produktion verständigen, wird der Effekt auf die Ölbestände begrenzt sein“, schreiben die Experten in ihrem monatlichen Report.

Nachdem zunächst Gerüchte über eine Einigung zwischen Russland und Saudi-Arabien bekannt wurden – und den Ölpreis befeuerten – mehrt sich kurz vor dem Treffen die Skepsis. „Wie aus Kreisen des russischen Energieministeriums verlautete, wird das Treffen nur eine lose Vereinbarung ohne verbindliche Produktionsobergrenzen beschließen“, schreibt die Commerzbank in ihrem Rohstoffkommentar.

Unterdessen machte die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Brief Katars publik, mit dem das Emirat auch den Ölminister Norwegens, Tord Lien, zum Doha-Treffen einlud. Demzufolge habe schon die vorläufige Einigung auf eine Förderdeckelung zwischen Katar, Russland, Venezuela und Saudi-Arabien Mitte Februar einen „Boden unter den Ölpreisen eingezogen“.

Tatsächlich ist seitdem der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent um 37 Prozent gestiegen. Nun könnten die Förderer auf den Erfolg aufbauen, „indem die Deckelung auf mehrere Produzenten ausgeweitet und so das weltweite Überangebot eingedämmt wird.“ Der Brief endet mit der Bitte, die Einladung anzunehmen. Norwegen lehnte jedoch ab.

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Die Produktion in den USA sinkt

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