Rohstoffe
Finger weg von meinem Gold

Immense Goldankäufe belasten die indische Wirtschaft, weil das Geld vor allem ins Ausland fließt. Deshalb sollen Inder ihr Gold jetzt bei Banken hinterlegen. Doch die Regierung hat die Rechnung ohne ihre Bürger gemacht.

Neu DelhiMit dem Vorhaben, gigantische Mengen Gold einzusammeln, stößt Indiens Regierung bei den Bewohnern bisher auf wenig Gegenliebe. In den ersten beiden Wochen des Programms seien nur 400 Gramm der schätzungsweise rund 20.000 Tonnen Gold in Privathaushalten bei Banken abgegeben worden, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Neu Delhi am Montag.

Die Regierung möchte möglichst viel Gold einsammeln, um die Zahl der Goldimporte nach Indien zu reduzieren. Seit Jahren lassen diese lassen das Leistungsbilanzdefizit des Subkontinents anschwellen. Schließlich ist das Land der zweitgrößte Goldimporteur der Welt. Für ihre Goldeinlagen bekommen die Menschen nun 2,5 Prozent Zinsen.

Das Problem: Die indischen Goldminen können längst nicht ausreichend Angebot für die hohe Nachfrage produzieren. Gold muss im Ausland angekauft werden – und das setzt die indische Währung, die Rupie, unter Druck, weil Indien so ein Fremdwährungsdefizit aufbaut. Kostete ein Dollar vor drei Jahren noch knapp 55 Dollar, sind es heute schon 66 Dollar.

In Indien hat fast jede Familie für schlechte Zeiten einen kleinen Schatz Zuhause. Im Falle einer Familientragödie werden Ketten, Ohrringe und Armreifen verkauft. Sie sind auch wichtige Erbstücke.

Geben die Familien ihren Schmuck nun bei einer der Banken ab, wird das Gold allerdings eingeschmolzen – damit geht der immaterielle Wert verloren. „Es wird nicht einfach, mit der Tradition des Goldkaufens zu brechen. Das hat nicht nur finanzielle Gründe, sondern ist auch an Traditionen gebunden“, sagte Orijit Gupta vom Verband der Edelstein- und Schmuckhändler.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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