Rohstoffe

Gipfeltreffen in Doha lässt Ölpreis zittern

Irans Energieminister will nicht am Doha-Treffen teilnehmen, auf dem sich Förderländer auf eine Produktionsbegrenzung einigen könnten. Zum Gipfeltreffen mit Russland und den Opec-Staaten soll die zweite Garde reisen.
Update: 15.04.2016 - 16:30 Uhr

„Die Ölförder-Länder sind an der Grenze ihrer finanziellen Existenz“

„Die Ölförder-Länder sind an der Grenze ihrer finanziellen Existenz“

DüsseldorfVor dem mit Spannung erwarteten Doha-Treffen am Sonntag geht es für den Ölpreis noch einmal deutlich nach unten. Am Vormittag stürzte der Preis für die beiden richtungsweisenden Sorten binnen weniger Minuten um mehr als einen Prozent ab. Am Nachmittag bauten beide Sorten ihre Verluste aus. Die Texas-Sorte WTI kostete zuletzt mit rund 40,1 Euro 3,3 Prozent weniger als am Vortag. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 3,3 Prozent und kostete rund 42,4 US-Dollar je Barrel.

Eine Meldung machte den Anlegern schlechte Laune. Der iranische Energieminister werde nicht am Doha-Treffen teilnehmen, hatte die von der russischen Regierung finanzierte Website „Sputniknews” zwar schon vorgestern berichtet. Sie berief sich dabei auf einen Bericht eines iranischen Fachmagazins, das sich mit Themen rund um den Energiemarkt beschäftigt.

Am Freitag bestätigte dann jedoch ein offizieller Vertreter der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass der Minister nicht nach Katar reisen werde. Stattdessen solle nur der Repräsentant des Iran bei der Ölförderorganisation Opec zu dem Treffen fahren. Kasachstan, der zweitgrößte Produzent auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion, hatte seine Teilnahme an dem Treffen lange offengelassen – sagte letztlich aber doch zu.

Dem Iran kommt in der Debatte um mögliche Fördergrenzen jedoch eine Schlüsselrolle zu. Im Februar hatten sich erste Staaten wie Russland und Saudi-Arabien darauf verständigt, die Ölproduktion nicht über das Niveau von Januar zu heben. Sie sehen in diesem Beschluss einen wesentlichen Grund darin, dass der Ölpreis sich von seinen Tiefständen unter 30 Dollar pro Fass deutlich erholt hat.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Saudi-Arabien: Aramco
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Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...

Aramco-Chef Khalid Al-Falih
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Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih ließ zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

Russland: Rosneft
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Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...

Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
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Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

China: Sinopec
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Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...

China: Sinopec
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Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

Venezuela: PDVSA
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Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...

Andere Ölstaaten machten eine Teilnahme an einer Förderbegrenzung oder -reduzierung jedoch von einer Teilnahme Irans an solch einem Abkommen abhängig. Das Land selbst will jedoch nach dem Wegfall von Sanktionen seine Ölindustrie erst einmal ordentlich auf Touren bringen. Der iranische Energieministers Bijan Namdar Zangeneh hatte Berichten aus dem Land zufolge an den Gastgeber des Doha-Treffens, Katars Energieminister Mohammed Saleh Sada, geschrieben. In der Mitteilung habe Zangeneh geäußert, dass Iran seine Ölproduktion so stark steigern, bis sie das Level vor den Sanktionen erreicht habe.

Ein weiterer wichtiger – aber nicht geladener – Spieler sind die USA. Deren Schieferölproduzenten haben in den vergangenen Monaten erheblich dazu beigetragen, den Ölpreis zu reduzieren. Sollte es allerdings über die Doha-Gespräche tatsächlich zu einer Drosselung der Fördermenge kommen, würden gerade die US-Produzenten profitieren. Bei einem Preis von 55 US-Dollar je Barrel würde es sich für die US-Produzenten wieder lohnen, Schieferöl zu fördern, so die Analysten von Goldman Sachs. „Jeder Deal, der den Preis nach oben drückt, wäre ein Eigentor”, schreiben die Analysten.

Kein Deal ist allerdings auch nicht die bessere Option. In Erwartung einer Einigung haben sich Händler schon im Vorfeld der Gespräche mit Öl-Investments eingedeckt. Zuletzt beförderten sie den Rohstoffpreis auf ein Vier-Monatshoch, auch wenn es am Freitag leicht abwärts ging. Sollten die Doha-Gespräche scheitern, droht dem Ölmarkt ein weiteres Mal ein Preissturz. „Die Enttäuschung über den geplatzten Deal könnte die Ölpreise erneut unter die 30-US-Dollar-Marke befördern”, schreiben die Analysten der Saxo Bank. Auch die Citigroup erwartet in diesem Fall „schwere negative Folgen” für den Ölpreismarkt.

  • jur
  • Bloomberg
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