Rohstoffe
Glencore zieht beim Zink die Notbremse

Der Schweizer Rohstoffproduzent kappt das Weltmarktangebot des Industriemetalls um vier Prozent. Für Eugen Weinberg, Chef des Rohstoff-Researchs der Commerzbank, hat die jüngste Kürzung Signalwirkung.

Düsseldorf, Frankfurt Der Rohstoffkonzern Glencore hat genug von den immer weiter fallenden Preisen für Industriemetalle. Beim Zink zieht das Schweizer Unternehmen jetzt die Notbremse und kappt seine Produktion um jährlich 500 000 Tonnen. Damit reduziert sich das Angebot am Weltmarkt auf einen Schlag um vier Prozent. Weniger Angebot, höhere Preise, so das Kalkül.

„Das wird dazu beitragen, einen Boden unter die Preise zu ziehen, die inzwischen auf einem Fünfjahrestief liegen“, sagt Mike van Dulken vom Brokerhaus Accendo Markets. Und tatsächlich zeigte der Schritt am Freitag bereits Wirkung: Der Zinkpreis stieg um etwa 150 Dollar auf rund 1 800 Dollar je Tonne an. Doch das gleicht nur einen Teil des jüngsten Preisverfalls aus, noch im Mai hatte eine Tonne knapp 2 400 Dollar gekostet.

Die Commerzbank erwartet, dass die Produktionskürzung für spürbare Anspannung auf dem globalen Zinkmarkt sorgen werde. Nach Angaben der Internationalen Blei- und Zink-Studiengruppe (ILZSG) war der Markt bisher reichlich versorgt und wies in den ersten sieben Monaten des Jahres einen Angebotsüberschuss von 150 000 Tonnen auf. Ein wesentlicher Grund dafür seien die geringeren Importe Chinas. Das Land verbraucht rund 40 Prozent der Weltproduktion des Metalls.

Hauptabnehmer von Zink sind mit 36 Prozent die Automobil- und Bauindustrie, die das Metall als Korrosionsschutz für Stahl- und Eisenteile einsetzen. Auf sogenannte Zinkhalbzeuge wie Bleche aus legiertem Zink sowie Zinkgusslegierungen entfallen 28 Prozent. Weitere größere Einsatzbereiche sind zudem Messing (25 Prozent) und die Chemie (zehn Prozent).

Die Sorgen wegen einer wirtschaftlichen Abschwächung haben auch die Preise anderer Metalle wie Kupfer oder Aluminium deutlich geschwächt. Auch seine Kupferproduktion will Glencore deshalb um 400 000 Tonnen pro Jahr reduzieren, teilte der Konzern bereits Anfang September mit.

Für Eugen Weinberg, Chef des Rohstoff-Researchs der Commerzbank, hat die jüngste Kürzung Signalwirkung. „Der Schritt von Glencore leitet eine langfristige Trendwende an den Metallmärkten insgesamt ein“, sagte er dem Handelsblatt. Überrascht sei er von dem Schritt aber nicht. „Die Produzenten mussten reagieren“, da viele nicht mehr kostendeckend arbeiteten.

In der Folge werden nun wohl auch die Preisziele angepasst. Die Commerzbank hatte bisher für das Jahresende einen Zinkpreis von 1 850 Dollar je Tonne prognostiziert. Dieser Wert wird voraussichtlich nach oben korrigiert. Ähnlich sieht es bei der DZ Bank aus; sie hatte bislang für das vierte Quartal einen Preis von 1 750 Dollar erwartet.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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