Rohstoffe
Goldförderung lohnt nicht mehr

Der Goldpreis ist kräftig gefallen. Doch die Kosten für die Förderung bleiben hoch. Es drohen schmerzhafte Einschnitte. Die Minen müssen ihre Produktion zurückfahren. Das hat Folgen für Anleger.
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DüsseldorfDie Goldindustrie steht vor dem größten Umbruch ihrer jüngeren Geschichte. Seitdem der Goldpreis eingebrochen ist, lohnt es sich kaum noch, das Edelmetall aus dem Boden zu holen. Die Förderer müssen ihre Kosten massiv senken. Einzelnen Firmen droht die Pleite. Die Überlebenden dürften den Markt neu aufteilen. Erst nach der Bereinigung könnte es wieder aufwärts gehen - auch für die Anleger.

In diesem Jahr ist der Preis für eine Feinunze um mehr als 25 Prozent gefallen, für kurze Zeit sogar unter 1200 Dollar. Damit geraten die Minengesellschaften unter Druck. „Wir brauchen einen Goldpreis von mindestens 1500 Dollar“, sagt Nick Holland, Chef von Gold Fields aus Südafrika, in einem Interview mit Bloomberg. „Der Betrieb lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn die Minen ständig Geld verlieren“, sagt Holland.

Das deckt sich mit den Schätzungen von Experten. Demnach kostet es in etwa 1500 bis 1600 Dollar, eine Feinunze Gold zu fördern. Darin sind sowohl die reinen Produktionskosten als auch die Kosten für Exploration, Verwaltung, Finanzierung und Investitionen in neue Projekte eingerechnet. „Es herrscht eine große Frustration in der Branche“, sagt Joachim Berlenbach, Fondsberater von Earth Resource Investment. „Etwa die Hälfte der Minengesellschaften ist auf dem aktuellen Niveau nicht profitabel.“

Die Goldförderer können nichts dafür, dass der Goldpreis unter Druck geraten ist. Gleichwohl ist ein Teil des Problems selbst verschuldet: In den guten Jahren, als der Goldpreis stetig stieg, waren die Unternehmen nicht gerade sparsam. Sie leisteten sich milliardenschwere Übernahmen. In der Boomphase seit dem Jahr 2000 gaben die Konzerne laut Bloomberg fast 200 Milliarden Dollar für Übernahmen aus – viel zu viel, wie man heute weiß. Jahrelang ging es nur um Wachstum, nicht um Rentabilität. In dieser Zeit explodierten auch die Personal- und Energiekosten. Zudem genehmigten sich Regierungen in den Abbauländern ihren Anteil, indem sie höhere Steuern, Pacht und Sonderabgaben verlangten.

Jetzt müssen die Konzerne ihre viel zu optimistischen Annahmen berichtigen. Barrick Gold, der größte Goldproduzent der Welt, wird 5,5 Milliarden Dollar für ein Minenprojekt in den Anden abschreiben. Das Geld ist weg. Konkurrenten wie Newcrest Mining ergeht es nicht besser. Auf die gesamte Branche kommen Wertberichtigungen in Milliardenhöhe zu. Auch Pleiten kleinerer Minenbetreiber und Explorationsfirmen sind nicht ausgeschlossen. „Wer nicht genug Cash auf der Bank hat, ist bedroht“, sagt Berlenbach. „Es wird Opfer geben, da gibt es keinen Zweifel“, sagt auch Markus Bachmann, Portfoliomanager des Craton Capital Precious Metal Fund.

Die Goldindustrie muss nun schleunigst die Kosten drücken. Neue Projekte werden erst einmal gestoppt. Zudem können sich die Firmen kurzfristig behelfen, indem sie sich auf Minen mit höherem Goldanteil konzentrieren („High Grading“), während sie den Abbau anderer Vorkommen zurückfahren. „Die Firmen müssen aufhören, Unzen zu fördern, mit denen sie kein Geld verdienen, und sich stattdessen auf die konzentrieren, mit denen sie verdienen“, sagt Evy Hambro von Blackrock. Hambro verwaltet den BGF World Gold mit einem Volumen von zehn Milliarden Dollar.

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  • Blah Blah... der Goldpreis ist immer noch auf einem langjährigen Rekordlevel.... und plötzlich lohnt der Abbau angeblich nicht mehr.
    Vermutlich auch noch wegen den mittlerweile gestiegenen Löhnen für die Untertagekulis und Umweltauflagekosten.

    Ist es nicht vielmehr die Einsicht der Industrie in den allgemeinen Blasencharakter dieses Preishinundhers, der die Betreiber frustiert und einen geregelten Industriebetrieb unmöglich macht?

    Dazu kommt offensichtlich die Unfähigkeit, daß Marktgeschehen durch die Preisspinner zu eigenen Gunsten auszunutzen. Die Minen hätten schließlich ihre geplante Fördermenge für die nächsten 5 Jahre per Termin am Markt zu 1800$ verkaufen können.

  • > Auch Wohnungen oder Häuser sind keine Sicherheit, nach dem Krieg wurden hausbesitzer mit einem lastenausgleich belegt
    Ok, und wenn Goldverkauf verboten oder mit 25% Steuer belegt wird, machen Sie was?
    Klar, Sie könenn es verbuddeln, aber damit bauen Sie kein Haus und bessern auch nicht Ihre Rente auf.
    Und wenn Sie's ins Ausland bringen, müssen Sie irgendwie ihr Geld wieder zurückschmuggeln, zumindest bei den Beträgen, um die es hier geht. d.h. Beträge, die relevant für z.B. eine Altersvorsorge sind, also 150.000+ Euro.

  • "Die Bundesbank veröffentlicht jeden Monat die Position Gold und Goldforderungen."
    Soweit ich mal gehört hab (hab leider keine Quelle mehr), geht es bei den "Forderungen" in Ihrem Sinne um einen niedrigen, einstelligen Prozentbetrag. Der Rest ist nicht verliehen oder sonstwas.

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