Rohstoffe Goldnachfrage fällt auf Acht-Jahres-Tief

Während die Aktienmärkte boomen, verlieren Investoren die Lust am Gold. Selten war Gold so wenig gefragt wie heute. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen könnten jedoch eine Trendwende auslösen.
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Weltweit kauften Investoren in diesem Jahr deutlich weniger Gold als 2016. Quelle: Reuters
Zuletzt mit wenig Glanz

Weltweit kauften Investoren in diesem Jahr deutlich weniger Gold als 2016.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie geopolitischen Krisen scheinen in diesem Jahr ein unrühmliches Comeback zu geben: Die verschärften Spannungen zwischen Nordkorea und den USA, zunehmende Unsicherheit, ob die USA das Atomabkommen mit dem Iran doch wieder gänzlich aufkündigen können und die neuerliche Spannungen am Persischen Golf, hinter denen vor allem der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran steckt: Gründe für einen Preisauftrieb beim Krisenmetall gäbe es genug. Allein: So richtig stark reagiert der Goldpreis nicht. Nach den jüngsten Spannungen am Persischen Golf seit dem Wochenende etwa verteuerte sich das Edelmetall gerade einmal um 1,3 Prozent auf 1285 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Seit Jahresbeginn steht zwar ein Plus von fast 12 Prozent, welches sich jedoch vor allem auf den schwächeren US-Dollar, das wichtigste Gold-Pendant, zurückführen lässt.

Die jüngsten Daten des World Gold Council, eines Lobbyverbandes für Gold, zeigen, warum der Goldpreis zuletzt kaum vom Fleck kam: Die Nachfrage nach dem Edelmetall war zwischen Juli und September so schwach wie seit acht Jahren nicht mehr. „Hinter uns liegt ein ziemlich herausforderndes Quartal“, urteilt John Mulligan, Direktor des World Gold Councils, denn auch unumwunden. Zwei Entwicklungen macht er als Hauptursachen aus: Erstens in der von stärkeren Regeln und Besteuerung gebeutelten Nachfrage in Indien. Das Land ist nach China in absoluten Mengen der zweitstärkste Nachfrager. Doch sowohl beim Schmuck als auch bei privaten Investments brach der Markt zuletzt ein. Zweitens verschmähten Investoren zuletzt das Krisenmetall – trotz der geopolitischen Spannungen. Die Zahlen passen zu den Analysen von Thomson Reuters GFMS, die ebenfalls ein schwaches Quartal bescheinigten.

„Die Investoren haben sich eindeutig auf die stark steigenden Aktienmärkte fokussiert”, sagt Mulligan. Zwar kauften sie auch Gold, mit 180 Tonnen hat sich die Nachfrage in diesem Jahr bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr aber geviertelt.

Immerhin: So ganz weg sei das Interesse nicht. Die Investoren mögen für den Moment etwas Gold-müde sein. Die Geopolitik könnte dies aber ändern. Schon im August und September, als die verbale Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und den USA tobten, sei die sonst in diesem Jahr schwache Nachfrage aus den USA deutlich angezogen. In beiden Monaten zusammen hätten US-Investoren 90 Tonnen gekauft und damit die 60 Tonnen schweren Verkäufe aus dem Juli mehr als wettgemacht.

„Der Goldpreis steigt nur, wenn wir wieder mehr Krisen bekommen“, erklärte Eugen Weinberg, Rohstoff-Fachmann bei der Commerzbank, vor wenigen Tagen auf der Edelmetallmesse in München. Mit den zunehmenden Spannungen am Persischen Golf ist zumindest ein leichter Preisanstieg und damit eine Reaktion auf die Geopolitik zu erkennen, wenn auch noch schwach ausgeprägt. Nach einem Raketenbeschuss von jemenitischen Huthi auf die saudische Hauptstadt Riad warfen die Saudis dem Iran die Unterstützung der Gruppe und einen „Kriegsakt“ vor. Saudi-Arabien führt seit 2015 eine militärische Intervention im Jemen.

Keiner weiß, ob sich die Wogen glätten werden oder nicht. Entsprechend unsicher ist der Einfluss aus heutiger Sicht auf den Goldpreis.

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