Rohstoffe
Goldrausch in Griechenland

Griechenland droht zum Armenhaus Europas zu werden. Im Staatshaushalt klaffen riesige Löcher. Ein Ausstieg aus dem Euro wird deshalb immer wahrscheinlicher. Dabei ist das Land reicher als viele vielleicht glauben mögen.
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AthenDrei Jahre lang bemühte sich das Unternehmen von Steve Sharpe um die Genehmigung der griechischen Behörden, in dem Land nach Gold schürfen zu dürfen. Bevor European Goldfields in diesem Jahr letztendlich die Erlaubnis erhielt, war der Kurs des Unternehmens so stark eingebrochen, dass bereits ein Übernahme-Interessent an seine Tür klopfte.

“Um nichts in der Welt würde ich nach Griechenland zurückkehren”, sagt Sharpe, der frühere Chef für die Unternehmensentwicklung bei dem kanadischen Unternehmen. Er leitet mittlerweile ein Bergbauunternehmen im benachbarten Mazedonien.

Doch Verzögerungen, wie sie Sharpe erfahren hat, zählen inzwischen immer mehr zur Vergangenheit. Die Krise hat sich in einigen Bereichen zu einem Antriebsmotor entwickelt, da sich die Regierung darum bemüht, Arbeitsplätze zu schaffen. Eldorado Gold und Glory Resources entwickeln zurzeit vier Minen, mit deren Hilfe Griechenland bis 2016 zum größten Goldproduzenten in Europa werden dürfte.

Der Goldbergbau kam auf Touren, nachdem Griechenland ein Eilverfahren für Genehmigungen ins Leben rief. Die Unternehmen aus Australien und Kanada gehen davon aus, dass durch ihre Förderung die Goldproduktion Griechenlands bis 2016 um 425.000 Unzen hochschnellen wird. Beim gegenwärtigen Preis am Tagesmarkt entspräche das etwa 750 Mio. Dollar. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden in dem Land lediglich 16.000 Unzen gefördert.

“Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass Griechenland das Potenzial seiner Bergbaubranche mittlerweile erkannt hat”, sagt Jeremy Wrathall, Chairman von Glory Resources im australischen Perth. “Die Politiker erkennen immer mehr, dass es opportun ist, den Bergbau zu unterstützen, da er potenziell Stellen schafft.”

Auch bei der Privatisierung von Staatseigentum setzen die Griechen mittlerweile Eilverfahren ein. In der Bergbaubranche führt dies dazu, dass Projekte, die seit mehr als einem Jahrzehnt aufgrund von Bürokratie und Umweltschutz-Bedenken gestockt hatten, nun frei gegeben werden. Beim Goldabbau könnte das Land in vier Jahren Finnland überholen - die derzeitige Nummer eins in Europa mit 220.000 geförderten Unzen im Jahr 2011.

Kommentare zu " Rohstoffe: Goldrausch in Griechenland"

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  • Gold? Warum nicht? Und die bösen, ausbeutenden Unternehmen werden mit Sicherheit, sofern Stavros in Sachen Korruption dazu gelernt hat, ihre Abgaben und Steuern zahlen müssen. Und Arbeitskräfte werden auch wieder benötigt, die wiederum konsumieren, Steuern zahlen und viceversa. "Jajaja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt..."

  • Wie schön.
    Nur, was hat jetzt Griechenland davon?
    Denn es sind ja ausländ. Unternehmen die Gold schürfen
    Ergo gehen die Gewinne auch ins Ausland.

  • “Es ist seltsam, dass Griechenland wegen der politischen Lage vor der Krise noch praktisch unerforscht ist. Moderne Explorations-Technologien sind in dem Land noch nie eingesetzt worden.”

    Das stimmt so nicht! Seit 1974 war bekannt, dass Öl, Gas, Gold und Uran reichlich vorhanden sind. Wie bereits von einem Kommentator richtig kritisiert wurde, ist die Beziehung zwischen Exploration und US-Währung entscheidend. Der Handel von Rohstoffen in Euro ist unerwünscht.

    Ich frage mich nur, gab es kein griechisches, oder zumindest EU-Unternehmen, das sich für die Goldvorkommen interessierte und warum konnte ein George Soros gr. Goldminen kaufen?

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