Rohstoffe
Größtes US-Ölfeld sprudelt nicht mehr

Weil die Rohrleitungen viel stärker rosten als angenommen und die Gefahr von Leckagen besteht, wird das in Alaska gelegene größte Ölfeld in den USA stillgelegt. Es liefert allein acht Prozent des in den Vereinigten Staaten geförderten Öls. An den internationalen Ölmärkten trieb die Nachricht die Preise in die Höhe.

HB ANCHORAGE. Der britische Konzern BP als eine von drei Betreiberfirmen des Ölfeldes Prudhoe Bay teilte mit, in einer Öltransit-Leitung auf der Ostseite des Feldes seien am Sonntag unerwartet „schwerwiegende Korrosion“ und ein „kleines“ Leck festgestellt worden. Es seien vier bis fünf Barrel (ein Barrel: 159 Liter) Öl ausgelaufen. Die Ölförderung werde deswegen über mehrere Tage hinweg heruntergefahren; pro Tag würden 400 000 Barrel weniger aus dem riesigen Fördergebiet im Norden Alaskas fließen. Weltweit nimmt die Fördermenge pro Tag damit um ein halbes Prozent ab. BP betreibt das Ölfeld Prudhoe Bay zusammen mit den US-Konzernen Conoco-Phillips und Exxon Mobil.

„Wir bedauern, dass es notwendig ist, diese Aktion vorzunehmen, und wir entschuldigen uns bei der Nation und dem Bundesstaat Alaska für die nachteiligen Auswirkungen, die dies haben wird“, erklärte Bob Malone, der Chef der BP America. Das Unternehmen hatte bei Nachuntersuchungen Wandverdünnungen festgestellt, die die BP-Kriterien für eine Fortsetzung des Betriebs übertroffen hätten. BP betreibt 22 Meilen (35 Kilometer) Öltransit-Pipelines in Prudhoe Bay. Inspektionen seien auf mehr als 40 Prozent der Gesamtlänge abgeschlossen, so Malone. BP hatte bereits Pläne für den Ersatz eines rund fünf Kilometer langen Leitungsstücks angekündigt, nachdem am 2. März eine große Ölmenge ausgelaufen war.

Am Ölmarkt schürten die BP-Nachrichten am Montag neben den Meldungen über die anhaltende Gewalt im Nahen Osten unter Händlern zusätzliche Sorgen vor Versorgungsengpässen: Der Preis für ein Barrel (knapp 159 Liter) US-Leichtöl stieg bis Montagmittag um 1,74 Dollar auf 76,50 Dollar. Ein Barrel der europäischen Leitsorte London Brent kostete 77,66 Dollar und damit 1,50 Dollar mehr. Fachleute rechnen damit, dass der Preis pro Fass um bis zu zehn Dollar in die Höhe schnellt.

„Das ist ein schlechter Zeitpunkt“, sagte der Energieexperte Victor Shum von der Beratungsgesellschaft Purvin and Gertz. Der Ölmarkt werde durch die starke weltweite Nachfrage und die Probleme im Nahen Osten und Nigeria beeinflusst, die Hurrikan-Saison habe begonnen. Dies könnte zu einer Gefährdung der amerikanischen Ölförderung im Golf von Mexiko führen, falls es wie im Vorjahr zu schweren Hurrikans kommen sollte.

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