Rohstoffe
Harter Kampf um Titan

Seltene Erze und Metalle werden knapp. Hersteller von Solaranlagen, Elektroautos oder Halbleiterproduzenten brauchen immer mehr der wertvollen Rohstoffe. Längst ist ein harter Verteilungskampf entbrannt. Die deutsche Industrie reagiert noch zu langsam.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Der Deal ist ein Staatsakt: Vier Milliarden Dollar legte der Flugzeughersteller Airbus Mitte April auf den Tisch, um sich beim russischen Staatskonzern Rostechnologii mit Titan einzudecken. "Die Kooperation mit Airbus ist ein wichtiger Bestandteil unserer Zusammenarbeit im High-Tech-Bereich", lobte der russische Regierungschef Wladimir Putin. Er weiß: Sein Land hat praktisch ein Monopol auf Titan. Ohne das seltene Metall wird Airbus im kommenden Jahrzehnt kaum noch Flugzeuge bauen können.

Ob Titan, Kobalt, Kupfer, Indium oder Germanium: Bestimmte Metalle sind in der Industrie nicht zu ersetzen. Sie drohen knapp und teuer zu werden, weil der Bedarf wächst. Neben den etablierten Abnehmern aus der Autoindustrie oder dem Maschinenbau werden in Zukunft vor allem Hersteller von Solaranlagen, Elektroautos oder Halbleiterproduzenten auf die Stoffe zugreifen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Zukunftsstudien und Technolgiebewertung (IZT) gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft erstellt hat. Fazit: Nur Unternehmen, die sich früh genug auf den Mangel einstellen, bleiben zukunftsfähig.

Zwar dürften, statistisch gesehen, die Titan-Ressourcen noch 280 Jahre, Kobalt 220 Jahre und Platin 190 Jahre reichen. Doch diese Angaben beruhen auf Annahmen aus der Vergangenheit; der exorbitant steigende Bedarf neuerer Technologien ist noch nicht eingerechnet. Problematisch ist zudem, dass viele Vorkommen auf bestimmte Regionen oder Staaten beschränkt sind. So kontrolliert etwa China 97 Prozent des seltenen Neodyms, das für Magneten in Elektroautos unentbehrlich ist. Peking hat Exportbeschränkungen dafür erlassen und sichert sich so einen Wettbewerbsvorsprung.

"Es gibt ,Minor Metals? oder auch strategische Rohstoffe, die knapp sind, aber auch solche wie Cobalt, die ausreichend verfügbar sind", sagt Christoph Eibl vom Rohstoffspezialisten Tiberius Asset Management. Das Problem bei der Versorgung sei die geographische Lage der Vorkommen: "Oft lagern die Rohstoffe in geopolitisch instabilen Regionen, und die Versorgungslage ist daher grundsätzlich unsicher." Deutschland sei davon sehr betroffen, da die High-Tech-Industrie von diesen Rohstoffen abhängig ist.

"Wir müssen uns auf Engpässe einrichten", sagt Lorenz Erdmann, der die IZT-Studie im Auftrag der Bundesregierung erstellt hat. Die Wissenschaftler haben in den Unternehmen eine erstaunliche Sorglosigkeit ausgemacht. "In vielen Top-Etagen ist das Thema noch nicht angekommen", klagt Erdmann. "Unternehmen würden gut daran tun, sich langfristig eine Lieferantenbasis zu sichern", sagt auch Peter Buchholz, Leiter des Arbeitsbereichs Rohstoffwirtschaft bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Auch die BGR geht davon aus, dass technische Entwicklungen den Rohstoffbedarf weiter steigern.

Seite 1:

Harter Kampf um Titan

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%