Rohstoffe
Indien will Bürgern Gold abkaufen

Die Rupie schwächelt und ein Ende des Kursrutsches scheint nicht in Sicht. Nach einem Import-Verbot für Goldmünzen will die Regierung deshalb offenbar Goldschmuck ankaufen und auch vor Tempelschätzen nicht haltmachen.
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MumbaiAufgeschreckt durch den rasanten Verfall der Landeswährung liebäugelt Indien Insiderinformationen zufolge mit einem radikalen Ausweg aus der Rupie-Krise: Die Zentralbank könnte indische Geldinstitute anweisen, die Bürger mit attraktiven Preisen zum Verkauf ihrer Goldbarren sowie ihres Schmucks und ihrer Münzen aus dem begehrten Edelmetall zu bewegen, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei, das Gold einzuschmelzen und so die kostspieligen Importe zu reduzieren. Kein Land auf der Welt hat einen höheren Bedarf an Gold als Indien, wo es gern bei religiösen Festen verschenkt wird und einen wesentlichen Teil der Mitgift von Bräuten ausmacht.

So hat Indien im vergangenen Jahr 860 Tonnen Gold importiert, was zu großen Teilen zu dem Außenhandelsdefizit von fast 90 Milliarden Dollar beigetragen hat – dem drittgrößten weltweit. Dies wiederum spielt eine wesentliche Rolle beim Absturz der Rupie, der sich in den vergangenen Wochen immer mehr beschleunigt hatte. Vor diesem Hintergrund verbot die Regierung in Neu-Delhi unter anderem bereits den Import von Goldmünzen. Die Inder sitzen auf 31.000 Tonnen Gold, so dass der Rückkauf nur eines Bruchteils davon den jährlichen Bedarf decken könnte.

Das Pilotprojekt werde in Kürze starten, sagte der Insider weiter. Um die Bevölkerung zum Verkauf ihres Goldes zu bewegen, müssten die Banken höhere Preise zahlen als Pfandhäuser und Juweliere. Mit attraktiven Konditionen könnten auch viele der Goldschätze gehoben werden, die in den Tempeln des Landes gehortet werden. Doch schon im Vorfeld der Initiative melden sich auch Kritiker – zum Teil in den Reihen der Regierung – zu Wort: Einige sagen, ein solches Programm müsse strukturierter konzipiert sein. Zudem halte die Zentralbank selbst Reserven des Edelmetalls von mehr als 557 Tonnen.

Doch diesen Schatz anzutasten, dürfte bei vielen Indern schlecht ankommen. Bei ihnen sitzt die Schmach von 1991 noch tief: Damals war das Land wegen zu geringer Devisenreserven dazu gezwungen, seine Goldbestände zu verpfänden, um Importe finanzieren zu können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rohstoffe: Indien will Bürgern Gold abkaufen"

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  • Stimmt, ich habe nur mal 3 gerechnet.
    Da habe ich aus eine unze gute 333 g statt 33 g gemacht.
    Bei einen Börsen Höchstkurs von 1800$ im Jahr 2012, liegt man bei guten 51 Mrd. Dollar.
    Da dürfte Indien aber auch nichts Ausführen, damit es zu einer so hohen relevans kommt.
    Was doch recht unwahrscheinlich ist,oder?!

  • "....und erteilt unseren Volksvermögens-Vernichtern an der Wahlurne endlich mal eine schallende Ohrfeige !!!" - Weder die Teilaussage noch drei Ausrufezeichen ändern etwas daran,dass das NICHTS HILFT, auch wenn man eine Splitterpartei oder AfD wählen würde. Denn das Bestimmen haben amerikanische Großbanken wie JPMorgan, Rothschilds, Rockefellers, Goldman Sachs im autarken, rechtsfreien Raum. Dank Thatcher, Reagan, Clinton...Ein Schröder hat sich GEGEN das Volk gestellt und deren Auftrag erfüllt, Hartz-VI durchzudrücken, gegen SPD-Prinzipien. Barroso, Barnier, Rumpey, Weidmann zuletzt operieren GEGEN die Bürger. Die sind auch bei Abwahl Merkel noch: DA! Weidmann verlangt zunehmend dringlich die gesetzliche Einbeziehung privater Vermögen, explizit deren Enteignung außerhalb inflationärer und Niedrigzins-gleicher Maßnahmen! - Da wirken Parteischuld-Perspektiven sehr, sehr anachronistisch. Diese Zeiten sind spätestens seit EURO-Einführung vorbei, da der Machtraum größer wurde und: die Währung nur noch Papierwert hat.

  • lieber Martin!

    ja, die können rechnen.
    leider liegt deiner Kalkulation ein fehler zugrunde
    bei 1900 Dollar je Unze errechnen sich rd. 52Mrd. $ und dann stimmt das wieder.

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