Rohstoffe
Industrie will Regeln für Rohstoffhandel mit Konfliktregionen

Der Handel mit begehrten Rohstoffen wie Tantal unterstützt im Kongo oft Rebellen. Um das zu ändern, fordern BDI und Öko-Institut EU-Auflagen für einen verantwortungsvollen Handel. Doch sie warnen vor zu strengen Regeln.
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Brüssel/ BerlinDer Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert EU-Regeln für einen verantwortungsvollen Handel mit sogenannten Konfliktmineralien aus dem Kongo. Dazu hat BDI-Präsident Ulrich Grillo am Dienstag EU-Handelskommissar Karel De Gucht eine Studie vorgelegt, die mögliche Lösungsansätze enthält.

Ziel ist es, die Konfliktfinanzierung im Kongo einzudämmen. Sie wird häufig durch den Handel mit Rohstoffen befördert. Künftig könnten Unternehmen mit einer EU-Vorgabe – einem „European Approach“ – im verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unterstützt werden.

In der Demokratischen Republik Kongo werden Rohstoffe wie Gold, Tantal, Wolfram oder Zinn gewonnen. Firmen verarbeiten sie in Autos oder elektronischen Geräten, vor allem in Handys oder Computer-Bauteilen. Doch die Materialien können aus illegalem Bergbau stammen, der örtliche Rebellengruppen finanziert.

BDI und Öko-Institut fordern deshalb mehr Transparenz beim Abbau von und Handel mit solchen Konfliktmineralien, ohne dass die Belastung für die Unternehmen zu groß wird. Denn die Auftragsstudie kommt zu dem Ergebnis: Aufwendige Nachweispflichten zur Vermeidung von Konfliktrohstoffen haben oft unerwünschte Nebenwirkungen.

Seit Inkrafttreten des Dott-Frank-Acts im Jahr 2010 müssen etwa in den USA börsennotierte Firmen nachweisen, woher bestimmte Rohstoffe wie Gold oder Tantal stammen. Der Pakt habe jedoch bewirkt, dass gar keine Rohstoffe aus der Konfliktregion mehr verwendet wurden.

„Boykott-Reaktionen stellen auch für den legalen Bergbau (...) ein großes Problem dar“, gibt Andreas Manhart, Autor der Studie und Mitarbeiter des Öko-Instituts, zu bedenken. Da der Bergbau neben der Landwirtschaft oft die einzige Beschäftigungsmöglichkeit für viele Menschen im Kongo sei, verbesserten sich die Lebensbedingungen der Einheimischen durch einen Boykott nicht.

Der BDI spricht sich deshalb für einen Mittelweg aus. „Die EU braucht einen Politikansatz, der in erster Linie auf eine messbare Verbesserung in den Konfliktregionen abzielt“, fordert Grillo. Die Lösung müsse aber zugleich für die Industrie praktikabel sein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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