Rohstoffe
Kupferpreis glänzt wieder

Das Industriemetall hat sich von seinen Tiefständen deutlich erholt und profitiert von Konjunkturhilfen. Allein seit Mitte Dezember hat der Kupferpreis an der Londoner Metallbörse (LME) um rund 700 Dollar auf rund 3 500 Dollar je Tonne zugelegt.

LONDON. Das Industriemetall Kupfer hat sich von seinen Tiefständen deutlich erholt. Allein seit Mitte Dezember hat der Kupferpreis an der Londoner Metallbörse (LME) um rund 700 Dollar auf rund 3 500 Dollar je Tonne zugelegt. Hoffnungen ruhen auf den milliardenschweren Konjunkturprogrammen.

Kupfer, das meistgehandelte Industriemetall, gilt als ein Frühindikator für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Ein gutes Drittel des Angebots wird von der Bauindustrie benötigt: Kupfer wird für Heizungsrohre, Dächer, Fassaden und Elektroleitungen verwendet. Große Verbraucher sind auch die Elektroindustrie sowie die Bereiche Industriemaschinen und Transport (Autos).

Der Preisanstieg wundert Kevin Norrish von Barclays Capital in London besonders angesichts der LME-Lagerbestände. Diese seien die höchsten seit fünf Jahren. Doch spekulativ agierende Anleger blicken bereits über die aktuell bestehende Angebotsschwemme hinaus. Obwohl die Nachfrageindikatoren noch nach unten deuten, beziehen Spekulanten die Produktionskürzungen des Bergbaus und stornierte Expansionsvorhaben in ihr Kalkül ein. Kupfer könnte im Falle einer konjunkturellen Erholung schnell wieder im Preis zulegen, hoffen die Investoren.

Chile etwa, das für 36 Prozent des Weltangebots steht, hat seine Produktion 2008 um vier Prozent gedrosselt. Zuvor war der Kupferpreis wegen der rückläufigen Nachfrage um mehr als die Hälfte abgestürzt. Noch zur Jahresmitte hatte der Preis ein Rekordhoch von 8 983 Dollar erklommen. Inzwischen notiert das Metall bei 3 500 Dollar und damit unter dem Fünfjahresdurchschnitt von etwa 5 000 Dollar.



"Die gegenwärtige Marktdynamik begünstigt weitere Preissteigerungen", sagt Alex Heath von RBC Capital Markets in London. Michael Widmer von BNP Paribas hat errechnet, dass die Konjunkturbelebungsmaßnahmen in den USA und China den Bedarf der zwei größten Kupferverbraucher der Welt um 4,1 bzw. 6,2 Prozent steigern dürften. Auftrieb erhielt der Preis zuletzt auch durch Gerüchte, dass China seine strategische Kupferreserven auf eine Million Tonnen aufstocken will.



Michael Lewis von der Deutschen Bank warnt indes vor übertriebenen Erwartungen. Die Produktionskürzungen der Bergbaubetriebe hätten sich in Grenzen gehalten. Auch die Internationale Studiengruppe für Kupfer, ICSG, und das World Bureau of Metal Statistics sagten übereinstimmend einen wachsenden Angebotsüberhang voraus. "Aus unserer Sicht ist Kupfer gegenüber einem neuen Preisverfall einstweilen noch anfälliger als die übrigen Industriemetalle", meint Lewis. Für 2009 geht er von einem durchschnittlichen Preis von 2 811 Dollar je Tonne aus, für 2010 erwartet die Deutsche Bank 4 712 Dollar.

"2010 kennzeichnet die große Wende für den gesamten Bereich an Industriemetallen", meint Jim Lennon von Macquarie Research. Viele Preise dürften dann um mindestens 40 bis 50 Prozent über dem heutigen Niveau liegen. Wenn aber die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2009 keine Anzeichen einer Erholung zeigen sollte, "werden wir diese Schätzungen scharf nach unten revidieren müssen".

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