Rohstoffe
Nuklear-Renaissance treibt Uranpreis

Der Rohstoff Uran ist nicht gerade beliebt. Anleger sollten das radioaktiv strahlende Mineral dennoch im Auge behalten. Analysten erwarten eine Angebotslücke durch zahlreiche neue Kraftwerke. Der weltweite Klimaschutz beflügelt die Nachfrage.

HB FRANKFURT. Der Rohstoff Uran hat nicht gerade viele Freunde. Dies liegt vor allem daran, dass Uran in seinen zahlreichen Verarbeitungs- und Umwandlungsvarianten als potenzieller Zerstörer der heilen Welt gilt. Doch mit der Energieknappheit einerseits und zunehmenden Anforderungen an den Klimaschutz andererseits ist Uran nicht nur in der Energiewirtschaft, sondern auch bei Anlegern wieder stärker ins Bewusstsein gerückt.

Wären nicht die Ängste vor Kraftwerkskatastrophen wie in Tschernobyl, hätte dieser Rohstoff wegen seiner Klimafreundlichkeit ein besseres Ansehen. "Die im Rahmen des Kyoto-Protokolls gesetzten restriktiveren Vorschriften für den Ausstoß von Treibhausgas lenken die Aufmerksamkeit auf den Rohstoff Uran", sagen die Manager des Indexfonds WNA Global Nuclear Energy.

Nordamerikanische Rohstoff-Analysten sind sicher, dass Uran in den kommenden Jahren nicht nur knapp, sondern auch teurer wird. Im Moment sieht es danach jedoch nicht unbedingt aus; denn seit Mitte 2007 ist der Preis für Uranoxid U308 - dem aus Sicht der Energieversorger und Kapitalanleger wichtigsten Produkt - von rund 135 auf zeitweise 40 Dollar je Pfund (knapp 454 Gramm) abgesackt. Noch 2005 kostete Uran gerade 20 Dollar /Pfund; aktuell werden 47 Dollar gezahlt.

Der jüngste Preisverfall war nicht zuletzt das Resultat von Befürchtungen, dass die Verhandlungen über ein neues atomares Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland zu einem zunehmenden Uran-Angebot führt. "Wir glauben nicht daran, dass das in den Sprengköpfen befindliche Uran auf den freien Markt drängen wird", sagt Bert Jaworski, Analyst des Finanzhauses Raymond James Canada. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass das Material über Dekaden hinweg bei den Atommächten in die strategischen Reserven genommen wird. So billig wie derzeit wird das Energie-Metall nicht allzu lange bleiben, meinen Analysten. Denn die 436 aktiven Atomenergie-Reaktoren in der Welt erzeugen rund 15 Prozent des genutzten Stroms.

Bauboom bei Atomkraftwerken

Weitere 45 Reaktoren befinden sich im Bau; innerhalb von acht Jahren sollen 112 neue Reaktoren ans Stromnetz gehen. Dies wird zu einem starken Anstieg der Uran-Nachfrage und einem höheren Preisniveau führen, sagen Marktbeobachter. Auch die Tatsache, dass Goldman Sachs seinen Anteil am Uran-Handelshaus Nufcor International kräftig aufgestockt hat, wird von Analysten als ein Indiz für steigende Uranpreise gewertet.

"Die Nuklear-Renaissance lebt", sagt Eric Zaunscherb vom Finanzhaus Canaccord Adams, dessen Preisprognose für 2010 bei durchschnittlich 57,50 Dollar/Pfund liegt. Patricia Mohr von der Scotiabank ist zuversichtlicher; sie schätzt für 2010 einen mittleren Preis von 61 Dollar. Während Zaunscherb längerfristige Vertragsabschlüsse zwischen Uranproduzenten und Kraftwerksbetreibern auf einem Preisniveau von 70 Dollar sieht, geht Hans-Jürgen Klisch, Geschäftsführer von Raymond James & Associates Deutschland, davon aus, dass solche Termin-Abschlüsse schon in absehbarer Zeit auf einem Preisniveau von 95 Dollar abgeschlossen werden. Klischs Begründung: "Das neue US-Energiegesetz mit dem geplanten Cap-and-Trade-CO2-System wird nicht durch den Senat in Washington kommen." Dann müsse sich die US-Regierung neue Optionen überlegen, um zum Beispiel die Grundversorgung mit Strom sicherzustellen. Allein der Einsatz von Erdgas als Ergänzung zu Rohöl werde mittelfristig nicht ausreichen.

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