Rohstoffe
Öl-Preisspirale schürt Ängste

Nach seinem Rekordsprung vom Freitag ist der US-Ölpreis am Montag leicht gesunken. Doch immer noch schürt der hohe Ölpreis die Sorge um die Weltwirtschaft. In Deutschland wird ein Anstieg der Gaspreise um bis zu 40 Prozent befürchtet. Südkorea legt als Reaktion auf die Öl-Preisspirale ein Hilfsprogramm für seine ärmeren Einwohner auf. Die Investmentbank Morgan Stanley hält einen Öpreis von 150 Dollar je Barrel (159 Liter) für möglich.

HB SINGAPUR. Nach seinem Rekordsprung vom Freitag ist der US-Ölpreis am Montag leicht gesunken. Im frühen Handel sank der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli auf 137,71 Dollar. Das waren 83 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag.

Zum Wochenausklang war der WTI-Preis nach einem Preissprung von über zehn Dollar - dem größten Sprung innerhalb eines Handelstags seit Aufnahme des Handels - auf einen Rekordstand von 139,12 Dollar gestiegen.

Ausgelöst hatten den jüngsten Ölpreis-Schub mehrere Faktoren. Den Ausschlag gab zunächst der Anstieg des Euro. Nachdem der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, am Donnerstag eine Zinserhöhung Anfang Juli nicht ausgeschlossen hatte, ging der Dollar auf Talfahrt. Als Reaktion strömten die Investoren wieder verstärkt in den Ölmarkt und die Preise, die in den vergangenen Tagen um fast zehn Prozent zurückgegangen waren, zogen erneut an. Am Freitagnachmittag beschleunigte ein kräftiger Anstieg der US-Arbeitslosenquote den Abwärtstrend des Dollar und damit auch den Höhenflug der Ölpreise. Dabei hatten zuletzt einige Marktexperten sogar schon ein baldiges Platzen der "Ölpreis-Blase" vorausgesagt.

Die Investmentbank Morgan Stanley hält einen Anstieg des US- Ölpreises auf 150 Dollar je Barrel bereits im Juli für möglich. Ein Grund sei eine knapper werdende Versorgung des Marktes, und die amerikanischen Ölvorräte lägen weit unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Die USA verbrauchen fast ein Viertel der weltweiten Ölproduktion.

Die führenden Öl importierenden Staaten Japan, USA, China, Indien und Südkorea - auf die fast die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs entfällt - forderten in Aomori die Förderländer auf, mehr in die Öl- und Gasproduktion zu investieren. US- Energieminister Samuel Bodman sagte, er fürchte, es gebe nur begrenzte Möglichkeiten, kurzfristig etwas gegen den Ölpreisanstieg zu tun. Die heutigen Probleme seien schon seit langer Zeit am "Brauen" und könnten nicht in "Monaten oder selbst ein oder zwei Jahren" gelöst werden.

In Südkorea seien Steuerentlastungen und Subventionen in Höhe von 10,49 Billionen Won (6,5 Mrd Euro) geplant, sagte Regierungschef Han Seoung-soo am Sonntag in Seoul. Die Maßnahmen sollen demnach rund 14 Mill. Einwohnern zugutekommen. Neben Steuererleichterungen für 9,8 Mill. Beschäftigte, die weniger als 36 Mill. Won im Jahr verdienen (gut 22 000 Euro), gehe es auch um Zuzahlungen auf den Spritpreis für Bus- und Lastwagenfahrer.

Die Konzernchefs von BP , Shell , Chevron , Exxon Mobil , Total und Conocophillips verwiesen auf Selbstregulierungskräfte des Marktes, um die Preisspirale beim Erdöl zu stoppen. "Das ist keine Krise. Wir können auch weiterhin alle Forderungen des Marktes bedienen", sagte der Chef der Chevron-Gruppe, David O"Reilly, auf einem Internationalen Wirtschaftsforum im russischen St. Petersburg. Die ölreichen Staaten müssten allerdings Restriktionen aufheben und mehr Vorkommen zur Erschließung freigeben.

Angesichts der überhitzten Ölmärkte nannte der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller, die Preisbindung von Öl und Gas nicht mehr zeitgemäß. "Über die bereits bekanntgewordenen 25 Prozent hinaus kann es im Herbst noch einmal eine Erhöhung des Gaspreises um bis zu 40 Prozent geben", sagte der SPD-Politiker der "Welt am Sonntag".

Der drastische Anstieg der Ölpreise schlug auch auf Börsen und Finanzmärkte durch - und könnte in der neuen Woche noch für Nachbeben sorgen. Der Dax verlor am Freitag 1,99 Prozent auf 6 803,81 Punkte. Die US-Börsen bekamen den Schock in den späteren Stunden noch mehr zu spüren: Der Dow Jones erlitt mit einem Minus von 3,13 Prozent auf 12 209,81 Punkte den höchsten Verlust des Jahres. Unter die Räder kamen vor allem Aktien von US-Fluggesellschaften, die zwischen acht und 15 Prozent an Wert verloren.

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