Rohstoffe
Öl so teuer wie seit zwei Jahren nicht

Seit Juni steigt der Preis für Öl. Nun markiert er ein neues Zwei-Jahres-Hoch. Die Förderkürzung des Ölkartells Opec und weiterer Ölförder-Staaten scheint zu wirken. Weiter steigende Preise sind aber nicht garantiert.
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FrankfurtDer 30. November 2016 war ein großer Tag für die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec). Erstmals seit 2008 hat sich das Ölkartell wieder auf eine Förderkürzung geeinigt. Wenige Tage später sagten elf weitere Staaten, darunter Russland, ihre Unterstützung zu. Stolz präsentierten Khalid Al-Falih, der saudische Ölminister, und sein russischer Amtskollege Alexander Nowak in Wien den Deal. Ab Januar 2017 würde der Deal umgesetzt.

Das Gros der Analysten rechnete von Anfang an fest damit, dass das Vorhaben scheitern, einzelne Mitglieder mehr als erlaubt fördern und damit das Abkommen torpedieren würden – so wie bei früheren Kürzungen. Doch die Opec straft ihre Kritiker Lügen: Sie hält das Abkommen ein. Auch die Nicht-Opec-Partner setzten ihre Versprechen im August zum ersten Mal vollständig um. Infolgedessen ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent nun erstmals seit Juli 2015 wieder über 58,50 Dollar geklettert.

Den jüngsten Schub erhielt der Ölmarkt von Unsicherheiten über das kurdische Unabhängigkeitsreferendum im Nord-Irak. Laut der kurdischen Regionalregierung verfügt das Gebiet über 45 Milliarden Barrel Ölreserven – knapp ein Drittel der Reserven des Landes. Die Ölanalysten von Rystad Energy rechnen damit, dass die Region ihre Förderung in diesem Jahr auf 602.000 Barrel steigern könnte.

Die Türkei sieht die Unabhängigkeitsbestrebungen der autonomen Region an seiner Grenze jedoch mit Argwohn und hat Panzer stationieren lassen. Die Spannungen treiben auch den Ölpreis, da Lieferungen aus dem Irak in die Türkei betroffen sein könnten. Eine Pipeline verläuft in unmittelbarer Nähe. „Die Zentralregierung in Bagdad erkennt die Abstimmung nicht an und hat andere Länder dazu aufgefordert, künftig kein Öl mehr aus der abtrünnigen Provinz zu kaufen. Sollte dieser Boykottaufruf Erfolg haben, würden gut 500.000 Barrel weniger Rohöl pro Tag an den Markt kommen“, erläutern die Öl-Analysten der Commerzbank.

Den Auftrieb der vergangenen Wochen hat der Ölpreis maßgeblich der stärker als erwartet anziehenden Nachfrage zu verdanken. Die Internationale Energieagentur hatte erst im August ihre Prognose für das Nachfragewachstum in diesem Jahr um 0,1 auf 1,6 Millionen Barrel pro Tag angehoben. 2018 soll der Öldurst um weitere 1,4 Millionen Barrel pro Tag steigen. Ende nächsten Jahres könnte die Nachfrage dann die Marke von 100 Millionen Barrel pro Tag knacken. Preisstützend kommt hinzu, dass die zweite Jahreshälfte traditionell von stärkerer Nachfrage am Markt geprägt ist. Das spielt der Opec in die Karten.

Unterdessen bleibt unklar, ob und wie das Ölkartell das Abkommen nach seinem Auslaufen im März 2018 fortsetzen wird. Erklärtes Hauptziel der Opec ist es, die Lagerbestände der Welt auf den Fünf-Jahres-Durchschnitt zu bringen. Die Bestände fallen, liegen aber immer noch über dem Schnitt.

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