Rohstoffe Die Gründe für den Ölpreis-Einbruch nach dem Boom

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Öl, soweit das russische Auge reicht

Wie stark die Schieferölindustrie ist, zeigt eine Zahl: 850.000 Barrel. Um diese Menge haben die Amerikaner allein zwischen September und November vergangenen Jahres ihre Förderung steigern konnten. Mittlerweile fördern die USA mit 10,25 Millionen Barrel pro Tag so viel Öl wie nie zuvor. Sie sind an Saudi-Arabien vorbei auf Rang zwei der weltgrößten Ölförderer vorgedrungen, und wenn sie tatsächlich die 11-Millionen-Barrel-Marke bis Ende des Jahres knacken sollten, dann lassen sie auch den aktuellen Spitzenreiter Russland (10,36 Millionen Barrel pro Tag) deutlich hinter sich.

Auch Meyer fühlt sich angesichts der rasanten Steigerungsraten beim Schieferöl an die erste Welle der Schieferölrevolution erinnert. Die jüngsten Preisanstiege beim Öl sah sie kritisch. „Die 70 Dollar beim Ölpreis habe ich schon vor ein paar Wochen für übertrieben gehalten“, sagt die unabhängige Ölmarktexpertin aus London. Der Preis werde sich vermutlich zwischen 55 und 65 Dollar einpendeln.

Meyer glaubt, dass die Opec auch mit diesem Preis gut leben kann. Der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh äußerte im Januar schon Bedenken, dass die großen Zweifel eine neue Förderausweitung in den USA auslösen könnten – wie sie jetzt auch bevorsteht. In Russland, dem wichtigsten Partner des Ölkartells, bildet sich schon Widerstand gegen die noch bis Ende 2018 andauernden Förderkürzungen, die – im Idealfall – schon nach sechs Monaten, also Ende Juni 2017 beendet sein sollten. „Russland wäre in der Lage, 800.000 Barrel pro Tag an neuer Förderung an den Markt zu bringen, die sie wegen der Kürzungen aber nicht fördern dürfen“, erklärt Meyer. Insbesondere der Chef des russischen Öl-Staatskonzerns Rosneft, Igor Setschin, würde diese neue Produktion gern starten. „Russland muss genau abwägen, womit sie mehr Einnahmen erwirtschaften – mit mehr Produktion oder höheren Ölpreisen bei stagnierender Produktion“, sagt Meyer.

Angesichts der steigenden Produktion in den USA und der Tatsache, dass diese seit dem Ende des Exportverbots im Jahr 2015 ihr Öl auch an die Welt liefern, dürfte die Unruhe eher zu- als abnehmen.

Laut Sam Alderson, Ölanalyst bei Energy Aspects, gebe es aber zwei bedeutende Unterschiede im Vergleich zur Schieferölflut 2014: Erstens das aktuell starke Nachfragewachstum, und zweitens die nach wie vor geringen Investments der Ölbranche in neue Großprojekte. Selbst die IEA fürchtet angesichts dessen nach 2020 wieder ein Angebotsdefizit, das die Preise stark treiben könnte. „Wir brauchen das Schieferöl, um das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auszugleichen“, sagt Alderson.
So lange die Nachfrage weiter so stark ansteigt wie bisher, darf die Opec zumindest darauf hoffen, dass die Schieferölindustrie ihr die Marktanteile nicht langfristig abgräbt.

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