Rohstoffe
Ölmärkte stehen im Bann der Sturmsaison

Stürme machen den Ölmarkt nervös: Zwar gab es im Angesicht des aktuell wütenden Hurrikans „Dean“ zunächst Entwarnung, doch wenn sich der Wirbelsturm noch verstärken sollte, droht Gefahr für die US-Ölförderung. Die natürliche Konsequenz der einsetzenden Hurrikan-Saison: Hohe Ölpreise.

DÜSSELDORF. Zunächst einmal haben die Akteure an den internationalen Energiemärkten aufgeatmet. Zwar stellt der Hurrikan „Dean“ noch immer eine Gefahr für die Region rund um den Golf von Mexiko dar, doch werden Prognosen zufolge die dort liegenden Ölförderanlagen eher verschont bleiben. Vor zwei Jahren hatten die Hurrikane „Katrina“ und „Rita“ große Schäden angerichtet und den Ölpreis stark in die Höhe getrieben.

Gestern gaben die Ölpreise daher leicht nach. Mit rund 68,80 Dollar liegt der Preis für ein Barrel (159 Liter) Brentöl nun gut zehn Dollar unter dem Rekordhoch von 79,04 Dollar.

Doch sollte der Sturm doch stärker als erwartet wüten – wie etwa im Jahr 2005 –, dann würde die derzeitige Gelassenheit an den Märkten schnell verschwinden. Dora Borbély, Energieexpertin der Deka-Bank, geht in ihrem Basisszenario davon aus, dass „ein großer Hurrikan massive Schäden an Ölanlagen anrichtet“. Dies könnte den Preis im dritten Quartal auf 80 Dollar treiben. Sollten die Schäden des Jahres 2005 noch übertroffen werden, seien in der Spitze sogar 85 Dollar möglich.

Allein die Furcht vor „Dean“ hat bereits einen größeren Preisrutsch an den Ölmärkten verhindert. Anders als viele andere Rohstoffe, die unter dem Abfluss spekulativer Gelder aus dem Sektor im Zuge der Krise an den Finanzmärkten gelitten haben, hielten sich die Ölpreise auf hohem Niveau. Viele Marktteilnehmer spekulierten auf eine Wiederholung der Entwicklungen des Jahres 2005.

Die Wirbelstürme „Katrina“ und „Rita“ hatten damals im Golf von Mexiko rund ein Drittel der US-Ölproduktion zeitweise lahmgelegt. Der Golf und das Mississippi-Delta sind mit Dutzenden von Bohrinseln, einem Netz aus Pipelines sowie großen Umschlaghäfen und Raffinerien das wichtigste Zentrum der US-Energiebranche. Die Internationale Energieagentur IEA hatte seinerzeit ein Notfallprogramm aufgestellt, um den Förderausfällen durch die Hurrikane entgegenzuwirken. Ein Problem war vor allem der Ausfall der Raffinerien in den USA nach „Katrina“; größere Mengen von Rohöl konnten nicht verarbeitet werden. Die Engpässe am Benzinmarkt schürten an den Rohölmärkten zusätzlich die Versorgungsängste, die unter anderem wegen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten bestanden.

Zwar blieben im Jahr 2006 große Hurrikane aus, doch sind die Schäden des Jahres 2005 den Marktteilnehmern noch gut in Erinnerung. Laut Dora Borbély folgen die Ölpreise in diesem Jahr ihrem „traditionellen Muster“. „Die hochaktive Phase der Hurrikane fängt im August an“, sagt sie. Dieses Risiko schlägt sich nach einer Studie der Bank bereits ab Juli mit rund fünf Dollar je Barrel im Preis nieder. Erst zum Ende der Hurrikan-Saison – meist Ende Oktober – schrumpften die Preisaufschläge wieder.

Gegen einen stärkeren Rückgang der Ölpreise spricht auch die jüngste IEA-Prognose, nach der die weltweite Nachfrage nach Ölprodukten weiter kräftig wachsen wird. Allein für dieses Jahr erwartet die IEA einen Anstieg um 2,2 Mill. auf 86 Mill. Barrel. „Damit relativieren sich die Aussichten auf eine stärkere Konsolidierung der Ölpreise“, meint Eberhardt Unger, Experte des unabhängigen Analysehauses „fairesearch“.

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