Rohstoffe
Ölmarkt: Warum Brent mehr als WTI kostet

Der Ölmarkt ist für Anleger schwer zu durchschauen. Nicht nur, dass es mit dem amerikanischen WTI-Rohöl und der Nordseesorte Brent zwei verschiedene Richtmarken für den Preis gibt. Für Irritationen sorgt auch, dass sich der Preisabstand zwischen den beiden Sorten zuletzt extrem ausgeweitet hat. Inzwischen kostet Brent über zehn Dollar mehr als WTI. Was Anleger wissen sollten.

DÜSSELDORF. Der internationale Ölhandel orientiert sich in der Regel an zwei Referenzölen. Für Europa ist Öl der Sorte Brent entscheidend. Brentöl stammt aus der Nordsee und wird an der Londoner Warenterminbörse ICE Futures, der einstigen International Petroleum Exchange (IPE) gehandelt. Brent hat einen niedrigen Schwefelgehalt von rund 0,37 Prozent und wird daher als leichtes, süßes Rohöl bezeichnet. Die sogenannten sauren Sorten haben dagegen einen Schwefelanteil von bis zu sechs Prozent. Auch das amerikanische Leichtöl WTI (West Texas Intermediate) gilt als süßes Rohöl. WTI ist die maßgebliche Rohölmarke in den USA. Weltweit gehandelt wird Rohöl in Barrel, das sind 42 US-Gallonen oder 159 Liter.

In der Regel kostet die qualitativ hochwertigere US-Richtmarke WTI bis zu drei Dollar mehr als das europäische Brentöl. In den vergangenen Wochen hat sich diese Differenz (Spread) umgekehrt. Zuletzt kostete Brentöl über zehn Dollar je Barrel mehr als WTI-Öl. Analysten sprachen von einem "historisch einmaligen Aufschlag".

Experten erklären die Verzerrungen an den Rohölmärkten vor allem mit der schwachen Nachfrage in den USA. Die schlechten Konjunkturnachrichten hatten die Nachfrage in dem größten Ölverbraucherland nicht nur gebremst, sondern erstmals sogar schrumpfen lassen. Die Folge ist, dass sich in dem kleinen Ort Cushing im US-Staat Oklahoma die dortigen Lager schnell gefüllt haben. Der Ort hat WTI zu seinem Namen verholfen und es befindet sich dort eines der größten Öllager der USA. Der rasche Anstieg der Lagerbestände signalisiert eine Überversorgung des Marktes, drückt entsprechend den Preis.

Nach Angaben der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) befinden sich in US-Öllagern knapp 340 Mio. Barrel Öl. Das sei der höchste Stand der letzten zehn Jahre und fast 15 Prozent mehr als der Zehnjahresdurchschnitt. "Die steigenden Lagerbestände in den USA sprechen momentan noch gegen einen nachhaltigen Ölpreisanstieg", kommentiert Frank Schallenberger den Anstieg der Bestände.

Doch der Preisunterschied zwischen WTI und Brentöl hat weitere Ursachen, die in Europa liegen. Gleich zu Jahresbeginn haben der Gaza-Konflikt und der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine den europäischen Markt verunsichert und damit für Preisaufschläge gesorgt. Hinzu kam die Kältewelle in Europa. Inzwischen hat sich der Markt wieder etwas beruhigt und der Preis hat leicht nachgegeben. Die Preisdifferenz wird sich spätestens wohl erst dann wieder umdrehen, wenn die Nachfrage nach Öl in den USA wieder anzieht oder Öl aus anderen Gründen knapper wird. Zur Erinnerung: Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec), die für gut 40 Prozent des Weltölangebots steht, hat ihre Förderung seit Anfang September 2008 um 4,2 Mio. Barrel am Tag gekürzt.

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