Rohstoffe
Ölpreis fällt auf Sieben-Monats-Tief

In Libyen und Nigeria steigt die Ölproduktion, der Ölpreis fällt. Der Preis für Brent könnte gar 45 Dollar erreichen. Doch Saudi-Arabiens Energieminister sieht die Förderkürzungen des Ölkartells nicht bedroht.
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FrankfurtSpekulationen auf eine anhaltende Ölschwemme haben die Preise für den Rohstoff erneut deutlich fallen lassen. Am Nachmittag steht er mit über drei Prozent im Minus. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee kostet 45,59 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl WTI gab um 3,4 Prozent nach auf 42,91 Dollar. So billig war Öl seit mehr als sieben Monaten nicht mehr. Analysten führten den Preisrückgang auf eine höhere Ölproduktion in Libyen und Nigeria zurück, die von der Förderbegrenzung der Opec-Staaten ausgenommen sind.

„Die jüngsten Produktionsdaten sind alles andere als ermutigend“, erklärten die Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley. Nachdem Wintershall nach einem Disput mit dem libyschen Staatskonzern NOC wieder Öl pumpt, ist die Produktion des nordafrikanischen Landes auf 900.000 Barrel gestiegen, so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. Bis Ende Juli sollen es nach Plänen von NOC-Chef Mustafa Sanalla schon eine Million Barrel sein. Auch aus Nigeria fließt wieder mehr Öl, nachdem Shell Anfang des Monats seine Einschränkungen im Verladehafen Forcados aufhob. Nach Bloomberg-Berechnungen sollen im August schon 285.000 Barrel täglich exportiert werden. Das entspricht ungefähr einem Viertel der Kürzungen, auf die sich die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) geeinigt haben.

Die Internationale Energieagentur warnt, dass die Opec wegen der Produktionssteigerungen ihre Ziele erst später erreichen kann als geplant. Erklärtes Hauptziel ist es, die nach wie vor hohen Lagerbestände in der Welt auf einen Fünf-Jahres-Schnitt zu senken. Bislang war das Ölkartell damit gescheitert, trotz leichter Rückgänge.

Der saudische Ölminister Khalid Al-Falih zeigt sich trotz der Entwicklungen demonstrativ unbeeindruckt. Tatsächlich übererfüllt die Opec ihre Kürzungsversprechen seit März. Der Ölmarkt bewege sich in die richtige Richtung, erklärte Al-Falih der arabischen Tageszeitung Asharq al-Awsat. Die Maßnahmen bräuchten einfach Zeit, um sich zu entfalten.

Ende Mai hatte sich die Opec gemeinsam mit zehn Nicht-Opec-Ländern darauf geeinigt, ihre Förderkürzungen um neun Monate bis Ende März 2018 zu verlängern. Dass in Libyen und Nigeria wieder mehr gefördert wird, sieht Al-Falih nicht als Bedrohung. Die Werte seien im Rahmen des Erwarteten. Es sei „unangemessen“, Libyen jetzt dazu zu drängen, die Erholung seiner Förderung zu verlangsamen.

Auch die Ölproduktion in den USA, die nicht Mitglied des Opec-Kartells sind, nimmt seit einigen Monaten stetig zu. Allein seit Jahresbeginn stieg die tägliche Förderung um 560.000 auf 9,77 Millionen Barrel. Rohstoffanalyst Tamas Varga vom Londoner Broker PVM Oil Associates schließt nicht aus, dass der Preis für Brent bald auf 45 Dollar fällt.

„Unserer Ansicht nach ist allerdings der jüngste Preissturz notwendig, um zunächst das Wachstum der US-Schieferölindustrie zu verlangsamen und in der Folge den Ölmarkt nachhaltig ins Gleichgewicht zu bringen“, erklärt wiederum der Ölanalyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank. Bis zum dritten Quartal rechnet er mit einem Preis von 56 Dollar je Barrel. Damit wäre Öl noch immer nur halb so teuer wie vor dem Ölpreisverfall Mitte 2014: Damals kostete ein Fass der Nordseesorte Brent noch mehr als 110 Dollar.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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