Rohstoffe
Ölpreis fällt deutlich nach Lagerdaten

In den USA sind die Vorräte an Öl und Benzin überraschend gestiegen. Das lässt den Ölpreis einbrechen. Selbst die Meldung, dass das größte libysche Ölfeld vorübergehend nicht produziert, kann den Fall nicht stoppen.
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Frankfurt, SingapurWährend die von Saudi-Arabien angeschobene Isolation Katars – dem drittkleinsten Mitglied des Ölkartells Opec – den Ölpreis nicht beeinflussen konnte, lassen neue Daten aus Nordamerika ihn einbrechen. Laut offiziellen Zahlen der amerikanischen Energiestatistikbehörde EIA sind die Ölvorräte in der vergangenen Woche um 3,3 Millionen Barrel gestiegen. Genauso stark nahmen die Vorräte von Benzin zu. Marktbeobachter waren indes von fallenden Lagerbeständen ausgegangen, nicht zuletzt weil dies typischerweise zu dieser Zeit im Jahr wegen der angebrochenen Ferienzeit passiert. Ein Barrel (159 Liter) des Nordseeöls Brent verbilligte sich daraufhin um vier Prozent auf knapp 48 Dollar. Nordamerikanisches Leichtöl fiel ähnlich stark auf 46 Dollar.

Weiterer Preisdruck ist in dieser Woche ebenfalls von der EIA gekommen. Die Behörde rechnet damit, dass die USA – nicht zuletzt dank verstärkter Schieferölförderung – im nächsten Jahr erstmals in seiner Geschichte mehr als zehn Millionen Barrel Öl pro Tag fördern.

Belastend wirkt zudem die Produktion aus Nigeria. Das Land ist zwar Mitglied der Opec, ist aber wie Libyen von der Förderkürzung ausgeschlossen. Die Maßnahme soll es den Ländern ermöglichen, Einnahmen aus den Ölverkäufen zu generieren und die Lage in den von Unruhen geplagten Ländern zu stabilisieren. In Nigeria hat Shell am Mittwoch nach über einem Jahr den Verladeterminal Forcados wieder eröffnet. Damit werden die Exporte des Landes Expertenschätzungen zufolge auf den höchsten Stand seit einem Jahr steigen. Die Rückkehr von Forcados an den Markt steigert die Produktion Nigerias voraussichtlich um zehn Prozent in Richtung zwei Millionen Barrel pro Tag. Im April förderte Nigeria noch 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Die Meldung, dass am Mittwoch das größte libysche Ölfeld wegen Arbeiterprotesten geschlossen wurde, verhalf dem Ölpreis jedoch nicht zur Erholung. Bloomberg zufolge werden aus dem Feld Sharara normalerweise täglich 250.000 Barrel gefördert.

Stattdessen zeigt sich die skeptische Stimmung am Ölmarkt resistent. Denn die nigerianischen Fördersteigerungen untergraben die Förderkürzung der Opec. Das Kartell verzichtet täglich auf 1,2 Millionen Barrel seiner Förderung. Zehn weitere Nicht-Opec-Staaten, darunter Russland, verzichten ihrerseits auf 600.000 Barrel ihrer Förderung.

Anfang diese Woche kamen zudem Zweifel ob der Beständigkeit des Abkommens auf, nachdem zahlreiche arabische Staaten die diplomatischen Beziehungen zu dem Förderland Katar abgebrochen haben. Dem Land wird eine Verbindung zum internationalen Terrorismus nachgesagt. Bei der Rohöltagesproduktion von aktuell 619.000 Barrel pro Tag gehört Katar allerdings zu den kleineren Förderländern der Opec.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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