Rohstoffe
Ölpreis geht nach Doha-Treffen auf Talfahrt

Allein vor der Weltpresse: Nach dem Scheitern eines Treffens großer Ölnationen gab der katarische Energieminister eine Pressekonferenz ohne Unterstützer. Das Zerwürfnis hat heftige Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt.

DüsseldorfAm Vormittag hatte alles vorbei sein sollen. Für 10.30 Uhr Ortszeit am Sonntag hatten anderthalb Dutzend Ölförder-Nationen eine Pressekonferenz im katarischen Doha angekündigt. Doch die sicher geglaubte Einigung über eine Förderobergrenze wurde mit jeder Stunde unwahrscheinlicher. Erst gegen 21 Uhr begann die Pressekonferenz – und allein der katarische Energieminister trat vor die Mikrofone: Es habe keine Einigung gegeben. Die Stühle rechts und links von ihm auf dem Podium blieben frei.

Für den Ölmarkt ist das Ergebnis ein Schock. Am Montagmorgen rasseln die Ölpreise in den Keller: Um etwa vier Prozent geht es bergab für die wichtigen Futures auf die Marken Brent (jetzt bei 41,40 Dollar) und WTI (jetzt bei 38,59 Dollar). Zwischenzeitlich hatte das Minus sogar etwa sieben Prozent betragen. Denn eigentlich war eine Einigung wichtiger Mitglieder des Opec-Förderkartells und Russlands erwartet worden. An dem Kurseinbruch konnte auch ein Streik kuwaitischer Ölarbeiter nichts ändern, der zu einer deutlich gedrosselten Produktion bei den kuwaitischen Ölförderern geführt hat.

Am Sonntagmorgen hatte in Doha ein Entwurf einer Gipfeleinigung die Runde gemacht. Demnach hatten sich die Nationen darauf verständigen wollen, die im Februar unter anderem von Russland und Saudi-Arabien getroffenen Begrenzung auf die Fördermengen von Januar bis zum Oktober festzuschreiben.

Ziel war es, mit einer Fördergrenze ein weiteres Abbröckeln des Ölpreises zu verhindern. Weltweit leiden die Ölnationen unter dem niedrigen Preisniveau, auch wenn sich die Preise von einem Tief bei etwas über 27 Dollar im Februar deutlich erholt hatten. Die Ölländer beklagen große Haushaltslöcher, in den USA sind Milliardendarlehen an Ölförderer ausfallgefährdet oder bereits als Abschreibungen in den Büchern der Großbanken aufgeschlagen.

Doch in den Verhandlungen im Sheraton-Hotel in Doha – ohne Teilnahme großer Ölproduzenten wie USA, Kanada oder Norwegen – zog sich die Diskussion Stunde um Stunde hin, weil Saudi-Arabien eine harte Linie fuhr. Nur wenn alle Opec-Staaten mitzögen, würde das Land einer Fördergrenze zustimmen. Doch der Iran hatte die Teilnahme an dem Treffen verweigert und will weiter seine Produktion hochfahren nach dem Aufbrechen der Wirtschaftssanktionen gegen das Land. Doch dem will Saudi-Arabien, das eine tiefe Antipathie gegen den Iran hegt, nicht tatenlos zusehen.

Opec-Generalsekretär Abdallah Salem el Badri verließ kurz vor Platzen der Verhandlungen den Saal und wollte „nur auf sein Zimmer“, wie Journalisten vor Ort beim Kurznachrichtendienst Twitter meldeten. Fragen wollte er nicht beantworten.

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