Rohstoffe
Ölpreis knackt die nächste Rekordmarke

Der Ölpreis bricht erneut alle Rekorde. Am Montag kostete das Barrel Rohöl erstmals 143 Dollar. Jetzt suchen Experten nach den Ursachen. Sie stellen aber vor allem fest: Das schwarze Gold wird noch teurer werden.

LONDON/DÜSSELDORF. Der Ölpreis geht mit einem Rekordkurs in die neue Woche. Nachdem er am Donnerstag die Hürde von 140 Dollar je Barrel (159 Liter) übersprungen hatte, kostete ein Barrel Öl der US-Sorte WTI zur Lieferung im August am Montag zum ersten Mal über 143 Dollar. Die Rekordpreise werden das beherrschende Thema auf dem Weltölkongress sein, der am heutigen Montag in Madrid beginnt. Hier treffen sich, zwei Wochen nach dem letztlich ergebnislosen Gipfel in Saudi-Arabien, erneut führende Vertreter von Ölförderländern und Ölkonzernen.

Experten rechnen nun mit einem baldigen Anstieg des Preises auf über 150 Dollar. "Ich würde die 150 Dollar keineswegs ausschließen", sagt Dora Borbély, Ölexpertin der Deka-Bank. Sie blickt dabei allerdings vor allem auf die internationalen Finanzmärkte. "Die Finanzkrise rückt wieder stark in den Vordergrund", sagt Borbély. Die Akteure schichteten Geld um und trieben damit den Ölpreis noch höher. "Die Alternativen erscheinen noch unsicherer", begründet sie die Investitionen in den Ölmarkt.

Ein weiterer Faktor wird nach Ansicht von Analysten die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am 3. Juli sein. Wenn sie erwartungsgemäß den Leitzins erhöhe, dann werde das den Dollar schwächen. Das werde dann, wie bei jüngsten Kursverlusten der US-Währung, den Ölpreis weiter in die Höhe treiben.

"Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Markt sehr angespannt ist und nicht zuletzt angesichts der Nähe zu der magischen Marke von 150 Dollar je Barrel Anlässe sucht, weiter nach oben zu marschieren", glaubt Eugen Weinberg, Experte der Commerzbank. Den Auslöser für die jüngste Rekordjagd sieht er aber vor allem in zwei Faktoren. Zum einen in der Drohung Libyens, die Erdölproduktion zu reduzieren. Zum anderen in den Äußerungen des Präsidenten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), Chakib Khelil. Er hatte für den Sommer Rohölpreise in einer Spanne von 150 bis 170 Dollar prognostiziert.

"Es gibt keine akute Versorgungsknappheit", sagt indes die Deka-Expertin. Sie hält die libyschen Drohungen daher für zweitrangig. Bis Ende des Sommers rechnet sie angesichts von Unsicherheitsfaktoren wie möglichen Hurrikans in den USA mit monatlichen Durchschnittspreisen von 135 Dollar je Barrel. Zum Herbst hin werde der Preis dann nachgeben und im Monatsdurchschnitt bei 110 Dollar liegen. Die Deutsche Bank hat ihre Ölpreisprognose gestern für 2008 und 2009 angehoben. Die Experten erwarten nun in den beiden Jahren 120 Dollar je Barrel.

Auch charttechnisch zeichnet sich ein weiterer Anstieg der Preise ab. Öl der Nordseesorte Brent, das am Freitag mit 140,88 Dollar notierte, werde deutlich an Wert gewinnen, sagen die Analysten von BNP Paribas. Die nächsten charttechnischen Ziele sehen sie bei 144 bis 146 Dollar, wobei in den kommenden kurzfristige Rücksetzer bis 137,10 Dollar möglich seien. "Idealerweise fällt der Ölpreis jetzt aber nicht mehr nachhaltig in die Seitwärtsrange der letzten Wochen zurück, um das Kaufsignal nicht zu gefährden", so die Experten von BNP.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%