Rohstoffe
Ölpreis kratzt an der 50-Dollar-Marke

Öl ist zuletzt wieder teurer geworden. Das bekommen auch die Verbraucher zu spüren: Benzin- und Heizölpreise steigen. Doch Marktexperten beschwichtigen. Sie rechnen nicht damit, dass die Aufwärtsbewegung anhält.

FrankfurtPendler und Vielfahrer sind sie schon gewohnt, die Achterbahnfahrt bei den Benzinpreisen. Nach mehreren Monaten sinkender Kosten fürs Autofahren geht es momentan wieder in die andere Richtung. Und das hängt nicht nur mit den jüngsten Feiertagen zusammen.

Denn der Ölpreis ist in den vergangenen drei Monaten kräftig gestiegen - zuletzt fast auf 50 Dollar je Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent. Über diese Marke kletterte der wichtige Referenzpreis zuletzt Anfang November, also vor einem halben Jahr. Am Mittwoch lässt ein starker Dollar den Preis leicht auf 49,13 Dollar sinken.

Seit Mitte Februar steht dennoch ein Plus von etwa 40 Prozent zu Buche. Dieses schlägt sich auch an den Tankstellenpreisen nieder: Ein Liter Superbenzin kostet heute knapp 13 Prozent mehr als noch vor drei Monaten. Da sich die Benzinpreise in Deutschland zu großen Teilen aus Steuern und Abgaben zusammensetzen, kommen die Schwankungen am Ölmarkt allerdings nicht im gleichen Ausmaß bei den Autobesitzern an. Der reine Produktpreis stieg nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes von Februar bis April um 4,8 Cent auf 41,58 Cent.

Auch die Heizölpreise legten jüngst kräftig zu. 100 Liter kosten im Moment wieder über 50 Euro. So teuer war der Kraftstoff seit fünf Monaten nicht mehr. „Viele, die eine Ölheizung haben, sollten nun dennoch überlegen, den Tank wieder aufzufüllen“, sagt Josef Auer, Rohstoffanalyst bei der Deutschen Bank. Denn er glaubt nicht, dass sich die Ölpreise perspektivisch wieder auf die niedrigen Niveaus vom Jahresanfang zurückbegeben. Allenfalls kleine Rücksetzer könnte es geben. Bis Ende des Jahres rechnet er allerdings mit einem Preis von knapp 50 Dollar – also einer Stabilisierung auf dem heutigen Niveau.

Dabei schien ein Preisrutsch nach dem Platzen eines Förderlimits des Ölkartells Opec und dem anhaltenden Überangebot auf dem Weltmarkt noch bis vor kurzem eine ausgemachte Sache zu sein. Doch im Moment haben sich Angebot und Nachfrage offenbar ausbalanciert. Schuld daran sind etwa die Waldbrände in Kanada und die jüngsten Unruhen in Nigeria, die die Produktion eindämmen. Die Ausfälle der beiden Länder summierten sich auf zwei Millionen Barrel täglich und absorbieren damit das Überangebot auf dem Weltmarkt vollständig, schätzen die Analysten der Commerzbank.

Während die Waldbrände rund um Fort McMurray die Ölsand-Produktionsstätten weiterhin in großen Teilen lahmlegen, hat Nigeria mit Terroristen und Gewalt im Land zu kämpfen. Dort wird derzeit so wenig Öl gefördert wie seit 22 Jahren nicht mehr.

Weil die Ölversorgung sich bereits in den vergangenen Wochen drastisch verknappt hatte, strich die Regierung in der vergangenen Woche einige Subventionen auf Benzinpreise und verteuerte sie so um zwei Drittel auf 73 US-Dollar-Cent pro Liter. Mit der Maßnahme sollen die ansässigen Ölunternehmen angereizt werden, mehr Petroleum zu importieren und so die Knappheit aufheben. Obwohl Nigeria der größte Ölproduzent Afrikas ist, muss es 70 Prozent der raffinierten Produkte importieren. Selbst einige nigerianische Fluggesellschaften wie Dana Air, Arik Air, First Nation und Aero Contractors geht der Sprit aus. Verspätungen und Flugstreichungen sind die Folge.

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Ölpreis kratzt an der 50-Dollar-Marke

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Marktpreise deuten Stabilisierung an

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