Rohstoffe
Ölreserven werden bis Jahresende sinken

Wegen der hohen Nachfrage nach Öl werden die Reserven laut Internationaler Energieagentur bis Jahresende sinken. Doch schon im kommenden Jahr droht erneut ein Überangebot am Ölmarkt. Die Preise könnten fallen.
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FrankfurtDie guten Nachrichten für die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec), die mit Förderkürzungen die Ölpreise mindestens stabilisieren und möglichst steigern möchte, reißen nicht ab: Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) dürften 2017 dürften die Lagerbestände beim Öl erstmals seit vier Jahren insgesamt wieder sinken. Das schreiben die Experten aus Paris in ihrem jüngsten Monatsbericht. Anders ausgedrückt: Das Überangebot, das die Ölpreise zwischen 2014 und 2016 zeitweise fast geviertelt und unter 30 Dollar je Barrel gedrückt hatte und die Preise einbrechen ließ, baut sich weiter ab. Heute hat sich der Ölpreis erholt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet wieder mehr als 56 Dollar.

Bei der Opec dürfte der Report der IEA die Stimmung weiter heben, die in den vergangenen Wochen ohnehin fast täglich stieg. Lauscht man der Organisation erdölexportierender Staaten dieser Tage, kommt man schnell zu dem Schluss: Die Förderkürzung ist ein voller Erfolg. Nach Startschwierigkeiten sinken endlich die Lagerbestände. Investoren sind so optimistisch wie selten zuvor und auch die Preiskurve hat sich im Sinne des Ölkartells gedreht: Öl zur sofortigen Lieferung kostet mehr als zukünftige Lieferungen. Das spricht für weiteren Lagerabbau, weil es sich für Investoren weniger lohnt, Öl zu horten.

Erklärtes Ziel der Opec ist es, die weltweiten Lagervorräte auf den Fünf-Jahres-Schnitt zu reduzieren. In diesem Jahr lassen sich vor allem bei den OECD-Staaten Erfolge messen. Dort sank das Überangebot von 340 auf zuletzt noch 170 Millionen Barrel (à 159 Liter) über dem Fünf-Jahres-Schnitt. Dazu beigetragen hat neben einer stärker als erwarteten Nachfrage auch die Förderkürzung der Opec gemeinsam mit zehn weiteren Förderländern, darunter Russland, die seit Januar bis zu 1,8 Millionen Barrel täglich weniger fördern.

Doch die Sache hat einen Haken: Hinter der Welle der guten Nachrichten droht schon das nächste Wellental. „Bei der Stabilisierung des Marktes wurde schon viel erreicht. Um auf diesen Erfolgen aufzubauen, wird es aber auch 2018 noch viel Disziplin brauchen“, heißt es im IEA-Bericht. Denn selbst wenn die Opec ihre Produktion auf dem heutigen Niveau hält und die Kürzung über März 2018 hinaus verlängert – dann endet das Abkommen –, werden sich die Lager im kommenden Jahr wohl nicht weiter reduzieren, prognostiziert die IEA. Im ersten Quartal würden sie sogar um 800.000 Fass pro Tag steigen. Das könnte die zuletzt gestiegenen Preise wieder dämpfen. Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffstratege der Commerzbank, schließt einen Fall unter 50 Dollar nicht aus.

Bereits am Mittwoch hat die Opec ihren monatlichen Ölmarktbericht vorgelegt. Die Organisation geht davon aus, dass im kommenden Jahr täglich 33,1 Millionen Barrel ihres Öls nachgefragt werden. Derzeit fördert das Kartell 32,7 Millionen Barrel. Würde das Kürzungsabkommen abrupt enden, dürfte das Produktionsniveau allerdings über das prognostizierte Nachfrageniveau schnellen. Aus diesen Gründen halten viele Marktexperten eine Verlängerung des Abkommens für wahrscheinlich.

Dennoch werden auch kritische Stimmen laut. So sprach sich etwa Lukoil-Chef Wagit Alekperow in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg dafür aus, „sachte“ aus dem Abkommen „auszusteigen“, sollte die Opec ihr Ziel erreichen und der Ölpreis wieder bei 60 Dollar liegen. Das russische Unternehmen ist von den Kürzungen betroffen, denn obwohl Russland kein Mitglied des Ölkartells ist, hat sich das Land verpflichtet, täglich auf 300.000 Barrel seiner Förderung zu verzichten. Das ist nach Saudi-Arabien (485.000 Barrel) die zweithöchste Kürzungszusage. Bei einem Treffen zwischen saudischer und russischer Regierung in der vergangenen Wochen zeigte sich Präsident Wladimir Putin offen gegenüber einer weiteren Kürzung nach März 2018.

Am 30. November kommt die Opec zu ihrem nächsten regulären Treffen in Wien zusammen. Dann soll über die Zukunft des Deals entschieden werden.

Kommentare zu " Rohstoffe: Ölreserven werden bis Jahresende sinken"

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  • ENERGIEAGENTUR IEA
    Ölreserven werden bis Jahresende sinken
    Datum:
    12.10.2017 12:51 Uhr
    Wegen der hohen Nachfrage nach Öl werden die Reserven laut Internationaler Energieagentur (IEA) bis Jahresende sinken. Wenn die Gesamtmenge an Rohöl geringer wird, könnten auch die Preise für Sprit oder Heizöl klettern.

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    Auch wenn die Ölreserven sinken, die Ölpreise werden nicht steigen !

    ABER DIE ARBEITSLOSIGKEIT IN GANZ EUROPA 2017 WIRD DIESER WINTER STARK STEIGEN und dann ist eine Nachfrage nach Öl ebenso geringer was den Preis Kontinental nach unten drückt !

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