Rohstoffe: Preise für Öl und Gold auf neuer Rekordmarke

Rohstoffe
Preise für Öl und Gold auf neuer Rekordmarke

Das schwarze Gold wird wieder teurer. Ein Barrel kostet so viel wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Auch wegen mangelnder Solidarität der Förderländer: Die USA allein mit Ruf nach Anzapfen der Ölreserven.
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FrankfurtDie USA bleiben vorerst allein mit ihrer Forderung an die Industriestaaten, wegen der Libyen-Krise nationale Ölreserven anzuzapfen. Japan lehnte den Vorschlag am Montag rundweg ab. "Wir haben wegen der Versorgung keine Sorgen", sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Tokio. Auch Südkorea reagiert gelassen auf den Anstieg der Ölpreise, seit die Freiheitsbewegung in Nordafrika auf einen der wichtigsten Öllieferanten der Region übergegriffen hat. Japan und Südkorea gehören zu den fünf größten Öl-Importeuren der Welt.

Die Regierung in Seoul habe keine Pläne, die für Krisenzeiten angelegten Reserven anzugreifen, erklärte ein Vertreter des staatlichen Ölkonzerns Korea National Oil (KNOC). Dagegen hielten die USA vor Wirtschaftsgesprächen ihres Finanzministers Timothy Geithner in Berlin ihren Vorschlag am köcheln: "Wir schauen uns die verschiedenen Möglichkeiten an", sagte der Stabschef des US-Präsidialamtes, Bill Daley, am Sonntag dem TV-Sender NBC. "Die Frage der Reserven ist eine davon." Geithner wird am Dienstag in Berlin und Frankfurt zu Beratungen erwartet. Die Bundesregierung bekräftigte, sie sehe derzeit keine Notwendigkeit, die Ölreserven anzuzapfen.

In den USA mehren sich seit vergangener Woche die Stimmen für einen solchen Schritt, da der Benzinpreis für heimische Verhältnisse hoch ist und für Öl fast täglich mehr an den Märkten bezahlt werden muss. Die USA haben in den vergangenen zwei Wochen den zweitstärksten Preisanstieg für Benzin in ihrer Geschichte erlebt. Für eine Gallone - 3,78 Liter - der normalen Sorte mussten im Schnitt am Freitag 3,50 Dollar gezahlt werden, 32,7 Cent mehr als am 18. Februar. Umgerechnet auf einen Liter Normalbenzin waren dies 0,66 Euro.

Die Ölpreise verteuerten sich am Montag auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Die Nordsee-Sorte Brent kostete mit 117,32 Dollar pro Barrel (1 Barrel = 159 Liter) über ein Prozent mehr als am Freitag. US-Öl sprang sogar um 2,02 Dollar auf 106,44 Dollar. Die Industriestaaten haben nach der Ölkrise in den 1970er Jahren Vorräte angelegt, um ihre Volkswirtschaften 90 Tage lang auch ohne Nachschub versorgen zu können. Jede Regierung entscheidet für sich, ob sie auf ihre Reserven zurückgreift und damit Einfluss auf den Preis nimmt.

Das Kartell der Erdöl exportierenden Länder prüft inzwischen eine Sondersitzung, um über eine Reaktion auf die Libyen-Krise zu beraten. Die Opec verfolge die Lage genau, sagte der Energieminister aus Katar, Mohammed Saleh al-Sada. "Es gibt keinen Grund für Nervosität", fügte er hinzu. Eine ganze Reihe von Ländern sei in der Lage, den Ausfall der libyschen Ölproduktion zu ersetzen. Saudi-Arabien hat zuletzt seine Produktion hochgefahren und hat damit die Ausfälle aus Libyen weitgehend ausgeglichen. An den Märkten herrschen jedoch Sorgen, dass der Bürgerkrieg in dem nordafrikanischen Land länger anhalten und die Öllieferungen gefährden könnte. Libyen belegt unter den Öl-Exporteuren Rang zwölf, ist aber für europäische Industriestaaten wie Deutschland der fünftgrößte Lieferant.

Der Goldpreis hat am Montag weiter zugelegt und ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Im Mittagshandel kostete eine Feinunze (rund 31 Gramm) des Edelmetalls bis zu 1443,10 US-Dollar. Damit wurde der jüngste Rekordstand von vergangenem Donnerstag bei gut 1440 Dollar leicht übertroffen. Der Silberpreis stieg unterdessen mit bis zu 36,62 Dollar auf einen neuen 31-Jahresrekord.
Händler erklärten die anhaltende Hausse am Gold- und Silbermarkt mit den Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten. Allen voran die blutigen Unruhen in Libyen sorgen derzeit für einen Zustrom der Investoren in sichere Anlagen wie Edelmetalle. Zudem nennen Experten das aktuell große Interesse von spekulativen Anlegern als Grund für die hohen Edelmetallpreise.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Klassische Aufschwungindikatoren, gell Herr Brüderle?

    Auch ein feiner Schenkelklopfer:

    "....aber Gold zahlt doch keine Zinsen !! "

    Bald wirds heissen:

    "...aber das Hartz-Amt zahlt doch nicht mehr!!"

  • Die Unruhen sind geziehlt ausgelöst worden.....
    Das Chaos hat System........
    Und vor allem WIR, das "tumbe" Volk werden dafür die Rechnung bezahlen........

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