Rohstoffe
Schwache Absatzaussichten drücken Ölpreis

Trübe Aussichten für die Entwicklung der Nachfrage haben am Freitag den Ölpreis gedrückt. Die beiden führenden Öl-Sorten Brent und WTI verbilligten sich um jeweils rund 1,5 Prozent auf 57,77 beziehungsweise 57,58 Dollar je Barrel.

HB FRANKFURT. "Alle Daten der laufenden Woche waren schwach", sagte Händler Rob Montefusco vom Rohstoff-Broker Sucden. Der Rohölpreis hatte in dieser Woche zumindest für die US-Sorte WTI kurz an der 60-Dollar-Marke für ein Barrel (159 Liter) gekratzt und war damit so hoch wie seit sechs Monaten nicht mehr. Doch Experten gaben Entwarnung: Es gebe keine Zeichen für einen dauerhaften Ölpreisanstieg in diesem Jahr.

"Der aktuelle Ausschlag hat mehr mit der Stimmung als mit der Realität zu tun", sagte wta Klaus Matthies vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). "Einige sehen einen Hoffnungsschimmer und denken, der Aufschwung ist schon in Sicht." Tatsächlich aber kommen aus der Weltwirtschaft widersprüchliche Signale. "Ich sehe nicht, dass sich die Ölpreise nachhaltig nach oben entwickeln", sagt Matthies. Sein Institut rechnet für die nächsten Monate mit einem Preis von 50 bis 55 Dollar je Fass.

Auf der Angebotsseite gibt es keine spürbare Verknappung. Zwar hat das Förderkartell Opec mehrfach Förderkürzungen beschlossen, aber die Disziplin im Kartell ist begrenzt. Gerade wenn der Ölpreis ein wenig steigt, wächst auch für die Opec-Mitglieder der Anreiz, Rohöl über die vereinbarten Mengen hinaus zu fördern und auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Die Förderländer können sich so höhere Einnahmen verschaffen. Zudem steigt die Förderung aus Nicht-Opec-Ländern, was die Marktlage zusätzlich entspannt.

Bei der Nachfrage sprechen die wesentlichen Faktoren eher für einen fallenden als einen steigenden Ölpreis. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris geht in ihrem jüngsten Marktausblick vom Donnerstag davon aus, dass die Nachfrage nach Öl weltweit in diesem Jahr um drei Prozent auf 83,2 Mio. Barrel pro Tag zurückgeht. Im vergangenen Jahr waren es noch 85,8 Mio. Barrel pro Tag. Gleichzeitig liegen die Lagerbestände in den Opec-Ländern mit 2,75 Mrd. Barrel um 6,7 Prozent über dem Vorjahr. Ein plötzlicher Nachfrageschub ist unter den Rahmenbedingungen einer weltweiten Wirtschaftskrise eher nicht zu erwarten.

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