Rohstoffe
Spekulanten durchkreuzen Prognosen

Rohstoffpreise galten als Konjunkturindikator. Das war einmal. Jetzt bestimmen Spekulanten den Preis von Kupfer und anderen Industriemetallen. Für zuverlässige Prognosen sind die Kurse nicht mehr geeignet. Doch Rohstoff ist nicht gleich Rohstoff. Wie spekulative Kräfte das Marktgeschehen bestimmen.
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DÜSSELDORF. Spekulationen haben die internationalen Rohstoffmärkte fest im Griff. Die Ableitung konjunktureller Implikationen aus der Entwicklung von Rohstoffindizes oder einzelnen Rohstoffen ist damit schwieriger geworden. Während früher die Indizes noch als konjunkturelle Frühindikatoren galten, raten Experten heute wegen möglicher Verzerrungen nur noch eingeschränkt zum Einsatz dieses Prognoseinstruments.

"Aus einer mittelfristigen Perspektive kann man für die Konjunktur Rückschlüsse aus Rohstoffindizes ziehen", sagt Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit. Kurzfristig betrachtet verzerrten indes die Schwankungen an den Rohstoffmärkten, die sogar noch zugenommen hätten, die Aussagekraft. "Die Marktbewegungen sind nicht mehr konjunkturgetrieben", sagt Rees mit Blick auf die Spekulationen.

Das war nicht immer so. "In den 80er- und 90er-Jahren war die Entwicklung der Rohstoffindizes noch der wesentliche Einflussfaktor etwa für die Geldpolitik in den USA", erklärt Eberhardt Unger vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Grund für die hohe Bedeutung der Rohstoffpreise sei unter anderem die Ölpreiskrise gewesen. "Es wurde immer erst auf die Entwicklung der Rohstoffpreise geschaut", sagt Unger. Inzwischen stünden in den USA die Arbeitsmarktdaten im Vordergrund.

Inzwischen aber ist der Einfluss der spekulativen Kräfte an den Märkten gewachsen. Das sei ein Grund dafür, dass die Entwicklung der Rohstoffpreise nicht mehr wie früher als Konjunkturindikator geeignet sei, sagt auch Unger. Auch der Drang zur "De-Dollarisierung" in einigen Ländern verzerrt aus Sicht des Fachmanns die Höhe der Rohstoffpreise zusätzlich. Bisher war der US-Dollar die maßgebliche Reservewährung in vielen Ländern. Nun suchen Staaten wie China verstärkt Alternativen - etwa Gold oder Rohstoffe.

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