Rohstoffe

US-Ölpreis fällt unter 50 Dollar

Am Rohölmarkt deutet nach wie vor wenig auf stark steigende Preise hin: Das Angebot bleibt hoch, die Nachfrage ist moderat. Und der Machtkampf zwischen Iran und Saudi-Arabien spielt eine entscheidende Rolle.
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„Öl wird noch stärker fallen“

SingapurAmerikanisches Rohöl kostet erstmals seit Anfang April weniger als 50 US-Dollar. Am Dienstagmorgen wurde ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung mit 49,97 Dollar gehandelt. Das waren 18 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September fiel leicht um neun Cent auf 56,56 Dollar.

Am Rohölmarkt deutet nach wie vor wenig auf stark steigende Preise hin: Das Angebot des Ölkartells Opec und der USA bleibt hoch, die Nachfrage wird von Analysten allenfalls als moderat bezeichnet. Das Überschussangebot setzt die Weltmarktpreise unter Druck. Hinzu kommt der starke Dollar, der Rohöl für viele Investoren verteuert und damit auf die Nachfrage drückt. Hinzu kommt die Aussicht auf höhere Ölausfuhren durch den Iran, sollten die Handelssanktionen infolge des Atomabkommens gelockert werden.

Der betrogene Kunde
Erdölförderung
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Öl ist momentan so billig wie lange nicht. Zwar hat sich der Preis zuletzt etwas stabilisiert, im vergangenen Jahr im Juni war Öl aber noch rund 40 Prozent teurer.

Zapfhahn
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An der Tankstelle hat sich der Preissturzes beim Öl bereits ausgewirkt, Diesel und Benzin sind deutlich günstiger geworden. Allerdings nicht so stark wie es möglich gewesen wäre...

Verbraucherzentrale
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Die Verbraucherzentrale hat eine Studie in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, wie stark Verbraucher von den niedrigeren Ölpreise profitiert haben. Ergebnis: Bei vielen Produkte war der Effekt gering. „Allein an der Tankstelle und beim Heizen hätte ein durchschnittlicher Haushalt etwa 15 Euro im Monat sparen können, wenn die gesunkenen Rohstoffpreise vollständig weitergegeben worden wären“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Und auch bei anderen Produkten kam vom Ölpreissturz nur wenig bei Verbrauchern an.

Bierkrüge
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Der Preis für einen Liter Bier hätte zum Beispiel zwischen Januar 2014 und Januar 2015 um 14 Cent sinken können, hat das Hamburger Forschungsbüro Energy Comment, das die Studie für die Verbraucherzentrale erstellt hat, berechnet. In Wirklichkeit stieg der Preis für Bier in diesem Zeitraum sogar.

Reis
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Reis hätte durch die niedrigeren Ölpreise ebenfalls billiger werden müssen, vor allem weil die Transportkosten gesunken sind. Bei einem Kilo Reis aus Thailand macht das laut der Studie immerhin 18 Cent aus.

Laptop
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Bei Laptops, die meistens in Asien gefertigt werden, sollten sich eigentlich auch die niedrigeren Transportkosten bemerkbar machen: Um 1,68 Euro hätte der durchschnittliche Preis für einen Laptop laut Verbraucherzentrale sinken sollen.

Teelicht
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Eine 1,5 Kilogramm-Packung Teelichter hätte 29 Cent billiger sein können. Auf den ersten Blick sind das zwar nur kleine Beträge, auf ein Jahr gesehen können sie aber trotzdem einen Unterschied machen. „2014 sind dadurch ungerechtfertigte Mehrkosten von rund 100 Euro pro Haushalt entstanden“, sagt etwa Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen.

Zudem fährt der iranische Intimfeind Saudi-Arabien seine Ölförderung weiter hoch und produziert laut dem monatlichem Ölmarkt-Report der Opec mittlerweile 10,6 Millionen Barrel am Tag – eine Steigerung um mehr als 200.000 Barrel pro Tag gegenüber den vergangenen Monaten.  

Sollten die Saudis ihre Förderung weiter ausbauen und die elf-Millionen-Marke erreichen, wären sie laut Financial Times das erste Land, das seit der ehemaligen Sowjetunion so viel Rohöl an einem Tag aus Bohrlöchern geholt hat.  Eine logische Erklärung für die Produktionssteigerung ist, dass Saudi-Arabien mit Kampfpreisen ein Wiedererstarken des ewigen Konkurrenten Iran verhindern oder zumindest bremsen will.

Denn auf dem Weltöl-Markt tobt derzeit ein ausgeprägter Machtkampf. Während deutsche Autofahrer durch niedrige Spritpreise vom billigen Öl profitieren, fehlen den Förderländern Milliarden in den Staatskassen. Seit Ende Juni vergangenen Jahres rutschte der Preis für europäisches Brentöl von rund 115 Dollar je Barrel (159 Liter) zeitweise sogar auf unter 50 Dollar ab.  So zitierte das „Wall Street Journal“ im Juni eine Opec-Studie, wonach der Preis sich auch bis 2025 nicht wieder über 100 Dollar erholen werde. Die Opec wies den Bericht mit Verweis auf angebliche Unzulänglichkeiten zurück.


  • dpa
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