Rohstoffe
USA bestrafen Manipulation des Ölpreises

Die USA wollen Ölpreisspekulationen in Zukunft erschweren und stellen daher Marktmanipulationen unter Strafe. Wer die Notierung an diesem wichtigsten Rohstoffmarkt durch falsche Angaben oder dubiose Handelspraktiken beeinflusst, muss ab Winter mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.

NEW YORK. "Die neuen Regeln erlauben uns, Betrug und Manipulation nachzugehen", erklärte gestern der Chef der für die Regulierung zuständigen US-Behörde FTC, Jon Leibowitz. "Der Preis für Ölprodukte beeinflusst maßgeblich den Alltag aller unserer Bürger in den USA und unserer Firmen", begründete die FTC die Einführung der Regeln. Für jeden Handelstag, an dem sich eine Marktmanipulation auf den Preis auswirkt, müssen ertappte Firmen in Zukunft eine Mio. Dollar Strafe zahlen.

Die FTC stützt sich bei der neuen Regelung auf eine Befugnis, die ihr das US-Parlament bereits 2007 erteilte. Seit der Ölpreis im Juli 2007 einen Rekordstand von gut 147 Dollar je Fass (zu je 159 Liter) erreicht hatte, wuchs der politische Druck auf die Behörde tätig zu werden. Politiker argumentieren, Händler würde den Ölpreis manipulieren und daran Geld zu verdienen, während sie damit große volkswirtschaftliche Schäden anrichteten. Sie fühlten sich bestätigt, als Anfang Juli bekannt wurde, dass ein Händler des Londoner Ölbroker PVM den Preis für den Rohstoff binnen kurzer Zeit durch die Vorspiegelung drastisch gestiegener Nachfrage massiv in die Höhe trieb. Zwischenzeitlich erweckte er den Anschein, als wolle er auf einen Schlag soviel Öl kaufen, wie Großproduzent Saudi Arabien in zwei Tagen fördert.

Daher stellt die FTC nun die Fälschung von Statistiken und die Vorspiegelung erhöhten Bedarfs unter Strafe. Auch verboten sind nun so genannte "wash sales", bei denen Öl in kurzer Zeit zum gleichen Preis ge- und verkauft wird, wodurch dem Markt eine erhöhte Nachfrage vorgespielt wird.

Auch in Großbritannien, dem zweiten großen Standort von Ölbörsen in der Welt, denkt die zuständige Aufsichtsbehörde FSA über eine straffere Regulierung nach. Trotzdem fürchten einige Händler in den USA, die FTC-Entscheidung werde dem US-Ölgeschäft schaden. "Die Regulierung nimmt überhand, dann wird der Handel eben demnächst irgendwo anders stattfinden", sagte Dan Flynn, Analyst bei PFGBest Research in Chicago der Nachrichtenagentur Reuters.

Die These, dass im vergangenen Jahr manipulative Spekulationen hinter dem Ölpreisanstieg standen, wird nicht von allen Experten geteilt. Viele argumentieren, die in breiten Teilen der Bevölkerung populären Erdölfonds und-zertifikate hätten so viel Geld angezogen und angelegt, dass der Preis nach oben getrieben worden sei.

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