Rohstoffe
Verbraucher müssen sich auf steigende Ölpreise einstellen

An den Rohstoffmärkten haben die Ölpreise zu einem neuen Höhenflug angesetzt. Der Fokus der Anleger richtet sich in diesen Tagen immer stärker auf den Beginn der Ferienzeit in den USA mit einem traditionell sprunghaften Anstieg des Benzinverbrauchs.

HB FRANKFURT. Zudem lassen die jüngsten Wetterprognosen amerikanischer Klimaforschungsinstitute in diesem Jahr eine überdurchschnittlich aktive Hurrikan-Saison erwarten. Zuletzt sorgte der tropische Wirbelsturm "Katrina" im Spätsommer 2005 für verheerende Schäden an den Ölförderanlagen im Golf von Mexiko und für einen massiven Preissprung an den Ölmärkten.

Die Investoren an den Ölmärkten haben den kommenden Montag als Beginn der Reisezeit in den USA besonders im Terminkalender vermerkt. In der größten Volkswirtschaft der Welt erreichten die Benzinpreise bereits in den vergangenen Tagen neue Rekordwerte. "Das dürften nicht die letzten gewesen sein", sagte Rohstoffexpertin Dora Borbély von der Dekabank. Der amerikanische Automobilclub AAA erwarte, dass sich fast 40 Millionen Amerikaner am Wochenende auf die Highways begeben werden. Dies dürfte den Benzinverbrauch weiter kräftig erhöhen.

Seit einigen Wochen sorgen zudem hohe Lagerbestände in den Ölanlagen an der Südküste der USA für eine ungewöhnliche Entwicklung bei den Ölpreisen. In den vergangenen Jahren war der Preis für Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) in der Regel immer deutlich höher als beispielsweise der Preis für Rohöl aus den Ländern der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Mittlerweile kostet ein Fass Opec-Öl aber etwa einen Dollar weniger als amerikanisches Rohöl.

Schuld an der ungewöhnlichen Preisentwicklung ist die angespannte Situation bei den Lagerkapazitäten in den Ölanlagen im Süden der USA. "Die Lagerkapazitäten sind ausgereizt", beschrieb Expertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank die Lage. Im Frühjahr hätten sich die Instandsetzungarbeiten in den Raffinerien und eine Umstellung der Anlagen von der Heizöl- zur Benzin-Produktion ungewöhnlich lange hingezogen. "Das Rohöl konnte zuletzt wegen der Arbeiten an den Raffinerien nicht wie gewohnt abfließen", sagte Lambrecht weiter. Zudem habe es aus Kanada starke Zuflüsse an Rohöl gegeben und den WTI-Preis somit unter Druck gesetzt.

Experten rechnen aber gemeinhin mit einer schnellen Normalisierung der Lage. Der WTI-Preis dürfte dann wieder zulegen, und an den Märkten werde es wieder den gewohnten Abstand zum Preis für Opec-Öl geben. Opec-Öl wird zu einem großen Teil in Saudi-Arabien gefördert. Dabei handelt es sich überwiegend um so genanntes saures Rohöl, welches einen höheren Schwefelgehalt aufweist und damit von geringerer Qualität ist als beispielsweise WTI oder Rohöl der Nordseesorte Brent.

Eines der größten Preisrisiken an den Ölmärkten sehen die Experten derzeit in der kommenden Hurrikan-Saison. Das amerikanische Klimaforschungsinsitut Noaa erwartet mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent eine überdurchschnittlich aktive Hurrikan-Saison mit sieben bis zehn schweren tropischen Wirbelstürmen. Diese Prognose lasse einen deutlichen Preisaufschlag als Risikoprämie an den Ölmärkten erwarten, sagte Expertin Borbély. Ab Juli erwartet sie daher einen Durchschnittspreis von über 70 Dollar. Ein besonders verheerender Wirbelsturm könnten den Ölpreis dabei auch zeitweise an die Marke von 80 Dollar treiben. Erst nach den Sommermonaten dürfte es dann wieder eine Abkühlung beim Ölpreis gehen.

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