Rohstoffe
Weltweiter Kohlehandel legt kräftig zu

Der Welthandel mit Steinkohlen gewinnt immer mehr an Dynamik. Dabei sorgen steigende Preise, Transportkosten und die ungeheure Nachfrage dafür, dass mittlerweile sogar der Ausstieg aus der Steinkohle hinterfragt wird. In Zukunft könnten sogar Engpässe drohen.

DÜSSELDORF. Seit 2002 habe der seewärtige Kohlehandel stetig zugenommen, stellt Heino Elfert, Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst (EID), fest. Allein im bisherigen Jahresverlauf habe der Kohlehandel um fünf Prozent zugenommen und steuere für das Gesamtjahr 2007 nun auf die Marke von 800 Mill. Tonnen zu. Trotz stark gestiegener Transportkosten sei die Importkohle im Vergleich zu den Konkurrenzenergien Öl und Gas ein "wettbewerbsfähiger Energieträger mit Zukunft“.

Dies spiegelt sich in den internationalen Kohlenotierungen wider, zumal Südafrikas Exporte stagnieren und Russlands Kohleindustrie zunehmend unter Staatseinfluss gerät. Die europäischen Kohlenpreise liegen mittlerweile weit über 100 Dollar je Tonne. Beim Steinkohletag in Essen stellte der Präsident des Gesamtverbands Steinkohle, Werner Müller, fest: "Heute kostet die internationale Kohle unter Berücksichtigung der Frachtkosten mehr, als wenn wir hierzulande auf der grünen Wiese mit einem Zechenaufschluss starten würden.“

Müller sieht in dem Ausstieg aus dem subventionierten Inlandsbergbau bis 2018 einen Verlust an energiestrategischer Souveränität. Wenn die Revisionsklausel für den Ausstieg im Jahr 2012 im Bundestag überprüft werde, könne die Energiewelt völlig anders sein als heute. Im Bericht des Gesamtverbands "Steinkohle 2007: Optionen für die Zukunft“ wird gewarnt, dass die lange vorherrschende Käufermarktsituation im Welt-Kohlemarkt mittelfristig in einen Zustand der Verknappung bzw. Unterversorgung umzuschlagen drohe.

Auf dem für Kraftwerkskohle maßgeblichen Kesselkohlesektor könnten im Überseehandel ab 2010 sogar Engpässe auftreten, weil die Angebotskapazität die rasch wachsende internationale Nachfrage nicht mehr decken kann. Schon seit 2005 stiegen die internationalen Kohlenotierungen, weil die verfügbaren Exportkapazitäten zu rund 90 Prozent ausgelastet seien. Die Steigerung der Angebotsbasis setze "künftig erheblich höhere Produktionskosten und Preise als heute voraus und ist mit vielen Fragezeichen verbunden“, so der Verband. Zudem gefährdeten die hohe Konzentration auf die "Big Four“ (BHP Billiton, XStrata/Glencore, Anglo Coal und Rio Tinto) und die "bedenklichen politischen Stabilitäten“ in einer Reihe von Kohlestaaten (Indonesien, Russland, Südafrika, China, Kolumbien) notwendige Investitionsoffensiven.

In den letzten Jahren hätten sich die Marktzyklen auf den Weltkohlemärkten verkürzt; die Nachfrageschübe führten zu einem immer schnelleren Ausschöpfen vorhandener und neuer Exportkapazitäten, schlussfolgert der Verband. Hinzu komme, dass sich die größten Kohleproduktionsländer der Welt, China und die USA, zu Nettoimporteuren entwickelten und daher einen Teil des verfügbaren Exportangebots absorbierten.

Aus europäischer Perspektive sei festzustellen, dass sich die Kesselkohlennachfrage auf dem Pazifischen Markt noch dynamischer entwickle als der für Europa wesentliche Atlantische Markt. Die Gewichte im Welt-Kohlehandel würden sich nach allen Prognosen in Zukunft noch mehr in Richtung auf den pazifischen Markt verschieben.

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