Teurer Rohstoff
Die wundersame Ölpreis-Rally

Die Weltwirtschaft schwächelt. Trotzdem steigt der Ölpreis. Die Förderländer versuchen sogar, zu bremsen. Doch die gängigen Mittel erweisen sich als wirkungslos. Was hinter dem Anstieg der Ölpreise steckt.
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Was auf dem Ölmarkt vor sich geht, verwundert selbst Experten: Seit Wochen steigen die Preise für Rohöl, zwischenzeitlich bis auf 119 Dollar je Barrel der Sorte WTI. Aktuell liegt der Preis bei 115 Dollar. Die Gefahr: Bleibt Öl weiterhin so teuer, könnte das eine Erholung der Weltwirtschaft abwürgen. Das hat jüngst das Centre for Global Energy Studies festgestellt.

Die Weltwirtschaft befindet sich ohnehin nicht in bester Verfassung. Europa steckt in der Rezession, die USA wachsen ebenfalls kaum, China legt zwar noch zu, aber nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Jahren. Eigentlich müsste der Ölpreis aufgrund geringer Nachfrage und hoher Lagerbestände fallen.

Die Förderländer dürften ebenfalls kein Interesse daran haben, den Preis weiter in die Höhe zu treiben, wenn dadurch die Konjunktur in den Industriestaaten und damit die Nachfrage nach Öl einzubrechen droht. Das Erdölkartell Opec versucht derzeit, den Markt zu stabilisieren, indem es höhere Reservekapazitäten bereitstellt. Damit signalisiert man dem Markt: Wenn nötig, sind wir bereit, deutlich mehr Öl zu fördern.

Aktuell könnten die zwölf Mitgliedsländer der Opec täglich 3,63 Millionen Barrel mehr fördern – so hoch liegt die Reservekapazität. Inklusive dieser Reserven könnte die Ölförderung auf 34 Millionen Barrel pro Tag hochgefahren werden. Die IEA definiert eine „effektive Reservekapazität“ als nicht gefördertes Rohöl, dessen Förderung innerhalb von 30 Tagen aktiviert und über 90 Tage hinweg aufrechterhalten werden kann.

Die Reservekapazitäten liegen derzeit auf dem höchsten Niveau seit etwa zwei Jahren. Normalerweise müsste das einen Anstieg der Ölpreise bremsen, allerdings erweist sich das Instrument diesmal als nahezu wirkungslos. Der Future auf die Ölsorte Brent steigt parallel zu den Reservekapazitäten in den Opec-Ländern.

„Für sich allein genommen wirkt eine hohe Reservekapazität wie eine Obergrenze auf den Ölpreis“, sagt der leitende Rohölstratege Amrita Sen von Energy Aspects in London. „In einem angespannten Umfeld, in dem sich die Lage womöglich weiter verschärfen könnte, wird der Einfluss geringer. Wir haben diesen Stimmungswechsel nach dem Anschlag in Algerien gesehen“, sagt er.

Kommentare zu "Die wundersame Ölpreis-Rally"

Alle Kommentare
  • Aufgrund der hohen Ölbesteuerung hat jedes Land ein Eigeninteresse an hohen Ölpreisen.
    Den Vorgang nennt man ... Volksverarscha!

  • Der Ölpreis ist manipuliert, so wie vieles andere auch.
    Aber die Masse der schlafenden Menschen will es nicht wissen.....
    Brot und Spiele .....

  • Die Rohölpreise am Weltmarkt haben nichts mit der von Ihnen erwähnten Besteuerung zu tun.

    Es ist jedoch richtig, dass die Höhe der Besteuerung mit zunehmendem Preisniveau zunimmt.

    Der Rohölpreis pendelt sich so langsam auf einem hohen Niveau ein. Das ist gut so, denn Rohöl ist viel zu preiswert. Preise um 180,00$ pro Barrel wären angesichts der weltweiten Bestände angemessen. Schon in zwei oder drei Jahren werden wir diese Preisgrenze vermutlich knacken.

    Viel wichtiger ist, dass den Spekulationen auf Agrarprodukte Einhalt geboten wird!

  • Kein für die gesamte Weltbevölkerung bedeutsamer, in seinen natürlichen Ressourcen begrenzter und nicht nachwachsender Rohstoff sollte am Kapitalmarkt gehandelt werden, damit die Allgemeinheit über den Kaufpreis die Gewinne der Spekulanten bezahlt, Lebensmittel natürlich eingeschlossen. Ich bin definitv kein Sozialist, aber die jährlich ausgewiesenen Gewinne der auf der ganzen Welt verteilten Ölfirmen sind öbszön und durch nichts mehr zu rechtfertigen.

  • Das gleiche Spiel wie zu Beginn letzten Jahres. Dauerte ja nicht lange, da brach der Rohölpreis wieder ein....So wundersam wie er anstieg wird er auch wieder sinken.

  • Hohe Energiepreise für wünschenswert zu halten scheint mir eine menschenverachtende Haltung zu sein.

  • Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass ca. 30% der Preise in den Industrienationen durch Kapitaldienst und Spekulation bedingt sind. Anders herum könnte jeder Arbeinehmer nach 3,5 Tagen ins Wochenende gehen und müsste sich nicht volle 40 Stunden auf höchstem Niveau "verwerten" lassen.

    Zumindest die Spekulation auf Rohstoffe gehört verboten, da sie dem größten Teil der Weltbevölkerung einen massiven wirtschaftlichen Schaden zufügt. Parasitentum in der schlimmsten Form. Kein Wunder, dass sich die Goldmänner und die Deutsche Bank in diesen Gefilden tummeln.

    Wer Rostoffkontrakte kauft müsste nur zur realen Abnahme gezwungen werden. Er könnte es dann lagern und physisch weiterverkaufen. Damit wäre dann Ruhe an den Märkten auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. Zum Wohle der Menschheit. Verkehrte Welt.

  • Man könnte sich von soviel Unwissen oder absichtliche Irreführung durch die "Fachmänner" schon verarscht vorkommen.

    Die Banken und Hedgefonds wissen nicht wohin mit dem Geld. Da bieten sich die manipuliebaren Warentermingeschäfte förmlich an.

  • Tja, wie die Spekulanten so spielen ...
    Wie hat V. Pispers das mal ausgedrückt, als er bemerkte, "dass die Ölpreise immer zum Ferienbeginn steigen? Da wurde ja immer gesagt, der Dollar ...da kann man ja nichts machen - und das Thema war erledigt!
    Ich wüßte auch gern mal, woher der Dollar unsere Fereintermine kennt ..."
    Nein, die Preise sind spekulationsgetrieben! Das sieht man an den Agrarrohstoffen und insbesondere bei den Wechselkursen. Da werden Volkswirtschaften "von außen" aufgewertet - eine Katastrophe für das jeweilige Land. Das war z.B. in Island so, aber auch in Brasilien.
    Was hat das alles noch mit "Marktwirtschaft" zu tun?
    Das muss verboten werden!!

  • Ach, die haben wirklich bis jetzt gebraucht, um zu merken, dass Spekulanten die Preise an den Terminmärkten treiben?
    Ich bin jetzt aber baff wie schnell DIE sind.

    Es ist doch echt zu kotzen, in Chicago verdienen Millinäre noch mehr Millionen mit Wetten auf Öl, Schweinebäuche, Getreide usw. Dabei geht es nur um Wetten, nicht um den Erwerb der Waren zur Weiterverarbeitung. Nur mal so am Rande, letzteres war der Grund für die Gründung der Warenterminbörsen. Parallel verhungern Menschen weltweit, weil Nahrung künstlich teuer gemacht wurde.
    Ich bin mir sicher, dass dieser Zug der Gier in einer Katastrophe enden wird, die sich heute noch keiner vorsellen kann. Irgendwann wird es passieren, hoffentlich erlebe ich das nicht mehr.

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