Rohstoffknappheit
Energieagentur erwartet Ölpreis von 200 Dollar

Die momentane Schwäche der Ölpreise wird sich nach Meinung der Internationalen Energieagentur auf lange Sicht wieder umkehren. Bis zum Jahr 2030 rechnet die Energieagentur mit einer Verdreifachung der Ölpreise.

DÜSSELDORF. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet mittel- bis langfristig steigende Rohölpreise. Für die Zeit bis 2015 prognostiziert die Pariser Agentur in ihrem Weltenergieausblick einen durchschnittlichen Rohölpreis von 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Bis zum Jahr 2030 soll Öl dann sogar 200 Dollar kosten. Die IEA berät die westlichen Industrieländer und soll deren Energiepolitik koordinieren. Vor einem Jahr hatte die Agentur noch mit einem Preisrückgang auf 70 Dollar bis 2015 und auf 108 Dollar bis 2030 gerechnet.

Die Prognose übertrifft die aktuellen Rohölnotierungen deutlich. Das europäische Brentöl kostete gestern etwas weniger als 60 Dollar je Barrel. Die US-Richtmarke WTI war zuletzt wieder unter 70 Dollar gerutscht, nachdem die wöchentlich ermittelten Benzinvorräte in den USA höher ausgefallen waren als erwartet. Kurzfristig wird sich Analysten zufolge an den niedrigeren Preisen wohl auch wenig ändern. Angesichts der trüben Aussichten für die Weltwirtschaft haben sie ihre Prognosen für den Ölpreis im kommenden Jahr heruntergeschraubt. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters wurden die Schätzungen im Vergleich zur Oktober-Umfrage um mehr als zwölf auf rund 80 Dollar für WTI und Brentöl gesenkt.

Die Rohölpreise sind seit ihrem Rekordhoch Anfang Juli von damals über 140 Dollar abgestürzt. Der Preissturz wurde erst durch einen Produktionsschnitt von 1,5 Mio. Barrel am Tag durch die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) gestoppt. Inzwischen wird an den Märkten über ein weitere Kürzung der Opec-Förderung Mitte Dezember spekuliert.

Laut IEA sind die bisherigen Angebots- und Nachfrageverhältnisse nicht mehr aufrecht zu erhalten. "Das Weltenergiesystem ist an einer Kreuzung angelangt. Die aktuellen Nachfrage- und Angebotstrends im Energiesektor sind offensichtlich nicht haltbar - umweltpolitisch, ökonomisch und sozial", heißt es in einer vorab veröffentlichen Zusammenfassung des IEA-Berichts. Der komplette Weltenergiereport wird Mitte nächster Woche veröffentlicht.

Allein auf die Länder China und Indien wird laut IEA von 2006 bis 2030 über die Hälfte des Wachstums des Primärenergiebedarfs weltweit entfallen. Bei einem jährlichen Zuwachs um rund ein Prozent werde die globale Ölnachfrage von 85 Mio. bis zum Jahr 2030 auf 106 Mio. Barrel steigen. "Es sind hohe Investitionen in die Energieinfrastruktur erforderlich", mahnt daher die Agentur. Über 50 Prozent der geplanten Investitionen dienten aber bislang nur dem Erhalt der bestehenden Angebotskapazitäten, ein großer Teil des Angebots an Rohöl, Kohle und Gas müsse aber bis 2030 ersetzt werden. Die Finanzkrise werde sich dabei langfristig auf die Investitionen wohl nicht auswirken.

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