Rohstoffmärkte
Chinas Öl-Durst sprengt alle Erwartungen

Die Rekordjagd bei den Ölpreisen geht in eine neue Runde: An den Rohstoffmärkten haben Meldungen über einen rasanten Anstieg der Öl-Lieferungen in die Boom-Regionen Asiens einen weiteren Höhenflug ausgelöst. Am Dienstag sprang der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im Mai zeitweise auf den Rekordwert von 113,91 Dollar.

dpa FRANKFURT/M. Auch an der Börse in London erreichte der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent mit Auslieferung im Mai nach einer kurzen Verschnaufpause zu Beginn der Woche einen neuen Höchstwert bei 112,08 Dollar.

Die jüngsten Daten zu den chinesischen Öl-Importen sorgen für Aufregung an den Rohstoffmärkten. Allein im März hätten die Chinesen im Jahresvergleich etwa ein Viertel mehr Rohöl eingeführt, berichtet Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. Im Vergleich zum Februar habe es sogar einen Zuwachs von 50 Prozent gegeben, schreiben die Fachleute der Commerzbank.

Den extremen Anstieg der chinesischen Ölimporte erklärte die Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank vor allem mit den Spätfolgen der Unwetter, die China zu Beginn des Jahres heimgesucht hatten. Starke Schneefälle hätten dazu geführt, dass die Kohlevorräte in der Volksrepublik knapp geworden seien. Immer mehr Dieselgeneratoren seien zum Einsatz gekommen und hätten den Öl- Verbrauch in den folgenden Wochen schlagartig in die Höhe getrieben.

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Die Chinesen profitieren bei ihren Öl-Importen vom Kursverfall des US-Dollars. „Die Dollar-Schwäche verbilligt das Rohöl in Ländern mit anderen Währungen“, sagte ein Rohstoffexperte vom Londoner Handelshaus Sucden über die ungemein starke Nachfrage aus dem Reich der Mitte. Der Dollarkurs treibt aber auch die Ölimporte in anderen Boom-Regionen Asiens in die Höhe. „Neben China entwickelt sich auch Indien immer mehr zu einem Preisfaktor für den Ölmarkt“, sagt Rohstoffexperte Schallenberger.

Der Öl-Durst Asiens ist laut Experten derzeit die Haupttriebfeder für die Rekordjagd an den Ölmärkten. Vor den jüngsten Importzahlen verblassen selbst Meldungen, wonach vor der Küste Brasiliens eines der größten Öl-Felder der Welt entdeckt wurde. Der Chef der nationalen brasilianischen Erdöl-Agentur, Haroldo Lima, schätzte das Volumen der neuen Öl-Vorräte vor der Küste auf 33 Mrd. Barrel (je 159 Liter). Es sei im Öl-Sektor die „größte Entdeckung der Welt“ in den vergangenen 30 Jahren.

Nach wie vor bestimmen institutionelle Anleger wie Banken oder Fondsgesellschaften zu einem großen Teil die Preisentwicklung. In den vergangenen Monaten haben sie das schwarze Gold als eine lukrative Anlageform entdeckt. Diese Investoren seien nach wie vor am Markt aktiv, sagte der Rohstoffexperte Eugen Weinberg, ebenfalls von der Commerzbank. Sie griffen jede Meldung, die auf steigende Öl-Preise hindeutet, dankbar auf. An dieser Entwicklung dürfte sich auf absehbare Zeit kaum etwas ändern.

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