Rohstoffmärkte: Der Mythos vom Superzyklus lebt

Rohstoffmärkte
Der Mythos vom Superzyklus lebt

An den Rohstoffmärkten ist ein Glaubensstreit ausgebrochen: Hat der rasante Preisverfall für Öl und Metalle einen besonders heftigen Zyklus beendet, oder hat er nur einen langen Zyklus unterbrochen? Kurz: Was hat es mit der Story vom Rohstoff-Superzyklus auf sich? Die Antwort darauf hat enorme geopolitische und weltwirtschaftliche Implikationen.

LONDON. Die Weltbank hat sich jüngst in einer Studie festgelegt: Den Superzyklus gibt es nicht, sagt sie. Der enorme Preisanstieg der vergangenen fünf Jahre war ein normaler Rohstoffzyklus, nur eben etwas länger und ausgeprägter als üblich. Noch dazu sehen die Superzyklus-Gegner Spekulanten am Werk, die eine gewaltige Preisblase erzeugt hätten. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Welt in absehbarer Zeit wieder einen solchen Preisauftrieb für Rohstoffe erlebe, folgert die Weltbank.

Davon lassen sich die Propheten des Superzyklus wie der Hedge-Fonds-Manager Jim Rogers nicht einschüchtern. Die Industrialisierung Chinas und Indiens und das enorme Wachstum der Weltbevölkerung lassen aus ihrer Sicht keinen Zweifel daran, dass die Preise nach einer kurzen Talsohle wieder steigen werden. Die Rohstoffnachfrage sei in den vergangenen Jahren nicht einfach der günstigen Weltkonjunktur gefolgt, sondern es habe eine Niveauverschiebung gegeben, argumentieren sie. Das sei so wie beim Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele namhafte Analysten folgen diesen Überlegungen.

Ein Blick in die Geschichte der Rohstoffmärkte zeigt, dass die Preise nach dem Boom bei Metallen und Agrarrohstoffen mit einem Preisanstieg um knapp die Hälfte in den fünfziger Jahren elf Jahre lang sanken. Den nächsten Preisschub gab es in den siebziger Jahren; er ging als Ölkrise in die Geschichtsbücher ein. Nur zwei Jahre brauchten die Preise, um mehr als die Hälfte zu steigen. Danach ging es 19 Jahre lang bergab. Das war eine Phase, in der die Rohstoffindustrie weltweit eine ganze Generation von Nachwuchskräften verlor. Droht das der Branche jetzt wieder?

Ein Blick auf den jüngsten Boom zeigt, dass er nicht mit dem durch politische Faktoren ausgelösten Schock der Siebziger vergleichbar ist. Drei Dinge sind unterschiedlich: Die Preise stiegen von 2003 bis 2008 so lange und so stark wie in keinem der vorigen Zyklen. Der Preisanstieg erfasste erstmals alle Rohstoffarten, von Energie über Metalle bis zu Agrarprodukten. Er wurde nicht von einer politischen Krise ausgelöst, und er ging einher mit einem kräftigen weltweiten Wirtschaftswachstum bei niedrigen Inflationsraten.

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