Rohstoffmärkte
Die verrückte Fahrt des Ölpreises

Die Ölpreise sind abgestürzt und dann blitzschnell gestiegen. Vor allem Leerverkäufer, die auf fallende Preise spekuliert hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Die Suche nach dem neuen Gleichgewicht ist im Gang.
  • 0

DüsseldorfAn den internationalen Ölmärkten wird der August wohl als einer der schwankungsreichsten Monate in die Geschichte eingehen. Dem unerwarteten Preisabsturz folgte Ende vergangener Woche ein ebenso steiler Anstieg. Jetzt sucht der Markt nach einem neuen Gleichgewicht. „Wenn es an einem Markt - in diesem Fall an der Börse in Schanghai - eine regelrechte Panik gibt“, sagt Axel Herlinghaus von der DZ Bank, „schlägt sich dies auch in anderen Märkten nieder.“ Dadurch sei es eben auch am Ölmarkt zu einer Übertreibung gekommen.

Die Talfahrt der Rohölpreise schien kaum noch zu bremsen. Noch Ende Juni notierte Brentöl über 60 Dollar, vor gut einem Jahr waren es sogar 115 Dollar. In der vergangenen Woche rutschte der Preis dann immer schneller und immer tiefer ab. In Europa kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl kaum mehr als 41 Dollar. Wann die 40-Dollar-Marke auch in Europa nach unten durchbrochen würde, schien nur noch eine Frage der Zeit. In New York hat der Preis für das amerikanische Leichtöl WTI, West Texas Intermediate, dagegen schon erstmals seit 2009 unter 40 Dollar geschlossen.

Stärkste Preissteigerungen seit Jahren

Dann ging es ebenso schnell wieder nach oben. Zu Beginn dieser Woche mussten für ein Barrel Öl in Europa schon wieder 48 Dollar bezahlt werden. Laut Commerzbank gab es in der vergangenen Woche bei Brentöl den stärksten Tagesanstieg seit Dezember 2008 und bei der US-Richtmarke WTI den stärksten seit März 2009.

Der plötzliche Preissprung dürfte nach Einschätzung der Commerzbank durch die Eindeckung von Shortpositionen ausgelöst worden sein. „Die Eindeckung von Leerverkäufen setzte sich fort und gab den Ölpreisen erneut kräftig Auftrieb“, so die Analysten. „Dabei spielt die Stimmung eine maßgebliche Rolle“, sagt Carsten Fritsch, Ölexperte der Commerzbank.

Für die nächsten Tage schließt Fritsch weitere, deutliche Schwankungen der Ölpreise nicht aus. Wegen des anhaltenden Überangebots am Ölmarkt blieben die Preise unter Druck. Die Frage sei, wann es auf diesem Preisniveau zu einer Verknappung des Angebots kommen werde. Wegen der eigenen Schieferölproduktion waren die USA als einer der Hauptabnehmer am Weltölmarkt quasi ausgefallen. Gleichzeitig hat sich das Wirtschaftswachstum in China, dem anderen Großverbraucher von Öl, verlangsamt. Entsprechend viel Rohöl ist am Weltmarkt vorhanden. Zudem hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bisher auf eine Kürzung ihrer Produktion verzichtet. Damit wird aktuell auch kaum gerechnet.

Seite 1:

Die verrückte Fahrt des Ölpreises

Seite 2:

Eine längere „Durststrecke“ wird erwartet

Kommentare zu " Rohstoffmärkte: Die verrückte Fahrt des Ölpreises"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%