Rohstoffmärkte
Konjunktursorgen belasten Rohstoffpreise

Das vorläufige Ausbleiben neuer Geldspritzen für die US-Wirtschaft hat am Donnerstag die Preise an den Rohstoffmärkten etwas belastet. Ob Öl, Gold oder Industriemetalle - die Anleger waren eher auf Verkaufen eingestimmt.
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FrankfurtZuvor hatte die US-Notenbank diejenigen enttäuscht, die auf klare Hinweise auf ein neues Anleihenkaufprogramm gesetzt hatten. Die Fed-Mitglieder sehen zwar die Möglichkeit weiterer Anleihekäufe zur Stützung der Wirtschaft, wollen zu diesen aber nur im Falle einer weiteren wirtschaftlichen Eintrübung greifen. "Das bedeutet wohl, dass es eine weitere geldpolitische Expansion geben wird, aber eben noch nicht jetzt", fasste ein Börsianer zusammen.

Mit Spannung warteten die Anleger an den Rohstoffmärkten auf neue Konjunkturzahlen aus China. Am Freitag wird das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt veröffentlicht. Von Reuters befragte Analysten gehen von einem Rückgang der jährlichen Wachstumsrate auf 7,6 von zuletzt 8,1 Prozent aus.

Am Ölmarkt gaben die Notierungen für Brent und WTI nach: Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl kostete mit 99,50 Dollar 0,7 Prozent weniger, US-Leichtöl verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 85,17 Dollar. Angesichts der nur schleppenden Konjunkturentwicklung weltweit rechnet die Opec inzwischen für das kommende Jahr mit einem langsameren Wachstum des Bedarfs. 2013 werde der weltweite Tagesbedarf nur noch um 820.000 Barrel steigen, hatte die Organisation erdölexportierender Länder am Mittwoch mitgeteilt. Für 2012 taxiert das Kartell, das rund ein Drittel des weltweiten Bedarfs deckt, das Nachfrageplus auf 900.000 Barrel täglich.

Stützend für den Ölpreis wirken sich die Nachwehen des Arbeitskampfes in der norwegischen Ölindustrie aus, den die Regierung diese Woche beendete. Im August dürfte nach Reuters-Berechnungen der Export der vier wichtigsten Nordsee-Ölsorten auf ein Rekordtief fallen. Daneben schwelt weiter der Atomkonflikt des Westens mit dem Iran, nachdem die EU ab dem 1. Juli ein Ölembargo in Kraft gesetzt hat. Zudem schmelzen in den USA die Öl-Bestände ab, wie aus den am Vortag veröffentlichten Wochendaten der Energiebehörde EIA hervorgeht.

Analysten senken Prognosen für Goldpreis
Da die Fed vorläufig wohl noch keine neuen Geldspritzen für die US-Konjunktur vorbereitet, wird Gold als Inflationssicherung von den Anlegern nicht mehr unbedingt benötigt. Entsprechend gab der Preis für das Metall um 0,7 Prozent auf 1564,94 Dollar je Feinunze nach. Auch Silber verbilligte sich um ein Prozent auf 26,78 Dollar je Feinunze. Die Analysten der Credit Suisse senkten ihre 2012-Prognose für den Goldpreis auf 1680 Dollar von 1765 Dollar je Feinunze.

Die Preise für Industriemetalle gaben ebenfalls überwiegend nach. Kupfer kostete zeitweise mit 7511 Dollar je Tonne zwar 0,4 Prozent weniger als am Vorabend. Doch zog der Preis dann wieder auf das Vortagesschlussniveau an. Einige Anleger setzten wohl auf eine positive Überraschung aus Peking, hieß es. "Ich denke aber, die Kupferpreise werden unter Druck kommen, sollte die BIP-Zahlen aus China schlechter als erwartet ausfallen", sagte ein Händler in Shanghai. Die Senkung der Leitzinsen in Brasilien auf ein Rekordtief von 8,0 Prozent lenke die Aufmerksamkeit der Anleger verstärkt auf die Schwellenländer, die inzwischen die konjunkturelle Schwäche ebenfalls zu spüren bekommen. Zink und Aluminium verbilligten sich um 0,4 bis 0,7 Prozent.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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