Rohstoffminen
Diamantenfieber in Botswana

Im südlichen Afrika kratzen die Bergleute die teuersten Edelsteine aus dem Boden.

GABORONE. Lange ist auf der Fahrt nach Westen nichts als braune Steppe und Geröll zu sehen. Hier und da zweigt eine kleine Schotterpiste ab, die schnurgerade durchs trockene Buschgras schneidet und sich am Horizont verliert. Es hat seinen Grund, dass Botswana in der Sprache seiner Bewohner „lechzendes Land“ heißt.

Doch dann klafft plötzlich eine riesige offene Wunde im Boden, aufgerissen von Baggern so groß wie ein mehrstöckiges Haus. 320 Meter tief ist die im Tagebau betriebene Mine von Jwaneng, 160 km westlich der Hauptstadt Gaborone. Über 13 Millionen Karat haben die 2 300 Arbeiter und Ingenieure hier im vergangenen Jahr aus dem steinigen Boden gekratzt, mehr als aus jeder anderen Diamantenmine.

Insgesamt hat Botswana in seinen vier Gruben 33 Millionen Karat gefördert – das sind 30 Prozent der weltweiten Produktion. Damit ist das Land vor Russland weltgrößter Diamantenförderer.

Bis die edlen Steine auf der Ladentheke liegen, müssen jedoch erst einmal Unmengen an Gestein gebrochen und zermahlen werden. Um den Fels von Jwaneng zu baggertauglichem Brei zu zerkleinern, wird hier pro Detonation bis zu 1 600 Kilogramm flüssiger Sprengstoffs in die Bohrlöcher gefüllt. Nach jeder Sprengung gibt es bis zu zwei Millionen Tonnen Gesteinsbrei abzufahren.

Verwendet werden dazu drei riesige Bagger mit einem Schaufelvolumen von mehr als 40 Tonnen sowie drei kleinere mit 20 Tonnen pro Schippe. Sie schaufeln pro Tag 70 000 Tonnen Erz und Geröll und zwar rund um die Uhr – 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag.

Daneben müssen gewaltige Mengen Grundwasser abgepumpt werden. Der Aufwand ist jetzt schon enorm, doch das gigantische Loch soll doppelt so tief werden. 650 Meter tief wollen die Ingenieure den Tagebau in die Erde treiben. „In vielleicht 20 Jahren machen wir unterirdisch weiter“ sagt der deutschstämmige Ingenieur Axel Schultz. Bis auf 800 Meter, vielleicht sogar noch etwas tiefer, erst dann dürften die diamantführende Schichten, die im Fachjargon „Pipes“ heißen, endgültig erschöpft sein.

In den „Pipes“, den vulkanischen Durchschlagsröhren, lagern die vor Millionen von Jahren unter immensem Druck zu Kristallen geformten Kohlenstoffatome. Für Debswana, den Betreiber der Mine, besteht die wichtigste Aufgabe darin, den Durchmesser einer solchen Durchschlagsröhre zu bestimmen und den Verlauf nach unten zu berechnen. In Jwaneng misst die Röhre vier mal zwei Kilometer. Die Diamanten haben Botswana einen unerwarteten Geldsegen beschert. Als das frühere britische Protektorat vor 40 Jahren von London in die Unabhängigkeit geschickt wurde, galt das Wüstenland von der Fläche Frankreichs als zweitärmster Staat der Welt. Wenig später entdeckten dann Prospektoren des südafrikanischen Diamantenriesen De Beers am Rand der Kalahariwüste die ersten Edelsteine.

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