Rohstoffpreise
Mit dem Platinpreis steigt der Rand

China nutzt die Gunst der Stunde und schiebt die Rohstoffnachfrage auf den internationalen Märkten wieder an. Mit den Preisen erholen sich auch die Währungen vieler Schwellenländer. Für einige Entwicklungsländer bringt die Krise noch einen weiteren Vorteil: Die Abhängigkeit von ausländischem Anlagegeld sinkt.

KAPSTADT. Die leichte Erholung an den internationalen Finanzmärkten in den vergangenen vier Wochen hat den Währungen aus rohstoffreichen Ländern wie Südafrika, Brasilien, Australien und Russland zuletzt spürbar Rückenwind verliehen - und sie zum Teil auf ihre besten Stände in den letzten sechs Monaten katapultiert. Nachdem die Rohstoffwährungen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober angesichts der enormen Unsicherheit zu den größten Opfern zählten, gehören zumindest einige von ihnen, wie der südafrikanische Rand oder der brasilianische Real, vor dem Hintergrund der graduellen Erholung der Rohstoffpreise nun zu den Gewinnern.

Ein Musterbeispiel dafür bietet Südafrika: Nachdem der Rand letztes Jahr im Zuge der Finanzkrise noch rund 30 Prozent an Wert gegenüber Euro und Dollar verloren hatte und sich die Verluste während der größten Panik im Oktober zeitweise sogar auf rund 50 Prozent summierten, hat der Rand zum Dollar seit Anfang März um mehr als zehn Prozent zulegen können. Begründet liegt dies neben der gestiegenen Risikobereitschaft internationaler Anleger vor allem in den höheren Zinsen am Kap sowie in dem inzwischen auf unter sechs Prozent gefallenen Zahlungsbilanzdefizit Südafrikas.

Einen kräftigen Schub für die Währungen der Rohstoffländer hat zuletzt auch die Meldung von einem neuen Konjunkturpaket in China gebracht. Ein solches Paket würde die Rohstoffnachfrage weltweit ankurbeln, was auch Produzentenländern wie Australien oder Brasilien zugutekommen dürfte. Entsprechend hat auch der australische Dollar zum US-Dollar seit Anfang März um mehr als zehn Prozent zugelegt. Beim brasilianischen Real war es ein Plus von 8,6 Prozent, der russische Rubel erlebte im gleichen Zeitraum eine Wertsteigerung von sieben Prozent. "Rohstoffwährungen sind von den Turbulenzen an den Finanzmärkten zunächst besonders stark gerupft worden. Mit der Erholung der zuvor abgestürzten Rohstoffpreise zählen diese Währungen nun jedoch zu den größten Gewinnern", sagt der südafrikanische Währungsexperte Colen Garrow von der Brait Merchant Bank.

Im Fall Südafrika haben vor allem auch die in diesem Jahr kräftig gestiegenen Gold- und Platinpreise dafür gesorgt, dass sich die südafrikanische Landeswährung zuletzt bei zwölf Rand je Euro und neun Rand je Dollar stabilisieren konnte. Als einer der führenden Produzenten der beiden Edelmetalle profitiert Südafrika von den höheren Exporteinnahmen seiner Minenkonzerne, was wiederum die eigene Währung stützt.

Sonderfaktoren helfen den rohstoffproduzierenden Ländern zusätzlich durch die Krise. Die Achillesferse der Südafrikaner, das Zahlungsbilanzdefizit, ist genau wegen der Krise gefallen. Sein Rückgang erklärt sich aus den stark rückläufigen Dividenden- und Zinszahlungen an ausländische Investoren, zumal viele internationale Anleger ihre südafrikanischen Aktien im letzten Jahr abgestoßen hatten. Das Minenhaus Anglo American, der Finanzdienstleister Old Mutual und der Platinförderer Impala haben ihre Dividendenzahlungen zuletzt entweder ganz ausgesetzt oder stark beschnitten, was den Kapitalabfluss vom Kap stark gebremst hat. Aus diesem Grund ist Südafrika nun aber auch weit weniger als bisher auf den Zustrom ausländischen Anlagegelds angewiesen. In Brasilien wiederum kommt jetzt die starke Binnenkonjunktur zum Tragen und die Tatsache, dass die Agrarexporte weitgehend konjunkturunabhängig sind.

Am Kap hat sich der Kapitalzufluss zuletzt als überraschend konstant erwiesen, weil Südafrika ausländischen Anlegern noch immer höhere Zinsen als seine Haupthandelspartner offeriert. Daran dürfte sich selbst dann nichts ändern, wenn die südafrikanische Zentralbank die Zinsen in den nächsten Wochen weiter senkt, um die Wirtschaft am Kap neu zu beleben. Die Zinsen und die gestiegenen Rohstoffpreise erklären, weshalb ausländische Anleger 2009 bereits Aktien im Wert von 15 Mrd. Rand am Kap gekauft haben.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%