Rohstoffpreise
Produktionsengpässe stoppen Abwärtstrend

Nach dem größten jemals registrierten Preisrutsch für Agrarrohstoffe, Rohöl und Industriemetalle haben sich die Preise für Mais und Sojabohnen, Nickel und Erdöl in jüngster Zeit etwas erholt. Die Experten sind zuversichtlich, dass dieser Trend anhalten wird.

Bloomberg CHICAGO. In den 30 Tagen bis Mitte August war der breitgefasste Standard & Poor?s GSCI Index 21 Prozent abgesackt, nachdem er Anfang Juli ein Rekordhoch erreicht hatte.

Marktbeobachter wie die Citigroup halten den Abwärtstrend nur für eine vorübergehende Korrektur. Da sich auf der Angebotsseite bei vielen Rohstoffen Engpässe abzeichneten, sieht die US-Großbank die Rohstoffhausse in ihr siebtes Jahr gehen. Auch 2010 sei in einigen Segmenten noch mit Preisanstiegen zu rechnen, sagt Analyst Alan Heap.

Beispiel Kupfer: Der Preis des Buntmetalls ist bis zu einem Fünftel eingebrochen, nachdem er Anfang Juli den Rekordwert von 8 940 Dollar je Tonne erreichte. Inzwischen hat er sich rund sieben Prozent von einem Sechs-Monats-Tief erholt. Ausschlaggebend war die geringere Fördermenge beim Bergbauriesen BHP Billiton und dem chilenischen Konzern Codelco.

Auch der Aluminiumpreis dürfte sich weiter von einem Halbjahrestief erholen. Barclays Capital stützt diese Prognose auf Stromengpässe, die Aluminiumhütten in China zwingen, ihre Produktion einzuschränken. Am Nickelmarkt deuten Engpässe ebenfalls auf eine fortgesetzte Preiserholung. Xstrata, der weltweit viertgrößte Nickelanbieter, hat gerade angekündigt, die Förderung in seiner Falcondo-Mine in der Dominikanischen Republik für bis zu vier Monate auszusetzen. Das Bergwerk liefert zwei Prozent der weltweiten Nickelproduktion.

"Die Rohstoff-Hausse ist beileibe nicht zu Ende", sagt Analyst Malcolm Southwood von Goldman Sachs JBWere Pty. "Wir sehen lediglich eine kleine zyklische Abwärtsbewegung innerhalb des langfristigen Bullenmarktes."

Die Weltkonjunktur schwächt sich zwar ab, die Rohstoffnachfrage in China und Indien aber bleibt nachhaltig hoch. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaftskraft Chinas um 10,1 Prozent. Indien steuert im Fiskaljahr bis März 2009 auf ein Wirtschaftswachstum von 7,7 Prozent zu, wie die Regierung schätzt.

Der größte US-Pensionsfonds, Calpers, sieht ebenfalls in der Preiskorrektur nur eine "kurzfristige Marktbewegung", die für die Investmentstrategie keine große Bedeutung habe. Der Altersvorsorgefonds hatte im Februar angekündigt, die Investments im Rohstoffbereich zu versechsfachen.

Auch bei Agrargütern wie Mais und Sojabohnen ist eine Erholung zu beobachten, nachdem die Preise jeweils über ein Drittel von den Rekordniveaus zurückgefallen waren. In den USA hat sich die Aussaat verzögert, so dass Landwirte mit rückläufigen Erträgen rechnen. In Argentinien drohen unverändert Proteste gegen Exportsteuern die Mais- und Sojalieferungen zu stören. Das Land ist zweitgrößter Maisexporteur der Welt und die Nummer drei im Sojabohnengeschäft. Die Weltgetreidebestände dürften somit weiter zurückgehen. Laut Welternährungsorganisation nähern sie sich bereits dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%