Rohstoffpreise
Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus

Leigh Clifford: Der Chef des Bergbaukonzerns Rio Tinto über die erstaunliche Entwicklung der Rohstoffpreise, die starke Nachfrage aus China, die neuen Chancen für Entwicklungsländer und den erheblichen Mangel an Fachkräften.

Der Chef des Bergbauunternehmens Rio Tinto, Leigh Clifford, rechnet nicht damit, dass der rasante Anstieg der Rohstoffpreise auf breiter Front anhalten wird. „Ich bin seit 36 Jahren in diesem Geschäft und weiß, dass es nicht immer so bleiben wird“, sagte Clifford dem Handelsblatt. Er warnt vor Begriffen wie dem so genannten Superzyklus. „Was diesmal anders ist, sind der Ausschlag und die Länge des Zyklus, aber es bleibt ein zyklisches Geschäft.“ Vielleicht sei „stronger for longer“ die richtige Beschreibung, aber gewiss nicht „stronger for ever“, sagte Clifford. Allerdings habe sich das Basisniveau der Rohstoffpreise gegenüber Ende der neunziger Jahre erhöht.

Das Interview im Wortlaut:

Handelsblatt: Mr. Clifford, die Rohstoffpreise steigen und steigen. Sind die üblichen Marktzyklen außer Kraft gesetzt?

Clifford: Wir profitieren in der Tat zurzeit von einem langen Rohstoffboom. Aber ich bin seit 36 Jahren im Geschäft und weiß, dass es nicht immer so bleiben wird. Normalerweise reagiert das Angebot, wenn die Nachfrage stark steigt. Doch bei vielen Rohstoffen ist das bisher nicht der Fall.

Warum nicht?

Dafür gibt es eine Reihe von Erklärungen. Zum einen gibt es einfach nicht unbegrenzt Lagerstätten von hoher Qualität. Dann haben viele Unternehmen die Exploration in den schwachen Jahren dramatisch heruntergefahren. Darum sehen wir Verknappungen bei einer Reihe von Metallen, aber auch bei Zulieferern, Fahrzeugen oder Personal. Die andere Seite der Geschichte ist die starke Nachfrage. China hat sehr viel Schwung, Europa kommt zurück, Japan erholt sich, auch der Rest von Asien kommt.

Sie erwarten nicht, dass sich die Nachfrage aus China abkühlt?

Nein, wir glauben, dass sie noch lange stark bleiben wird. Sehen Sie, wenn China das Bruttosozialprodukt steigert, dann steigt auch der Verbrauch von Rohstoffen stark; wenn die Schweiz wächst, hat das fast keine Auswirkungen für uns. Und hier geht es nicht um die Produktion von Waschmaschinen und Kühlschränken für die Welt, sondern um den Aufbau von Infrastruktur, von Straßen und Wohnungen. In Schanghai mag das geschehen sein, doch schauen Sie sich das riesige Hinterland an. Die chinesische Regierung bremst zwar jetzt das Wachstum, aber sie bremst es von astronomisch auf nur noch phantastisch.

Also stecken wir tatsächlich in einem Rohstoff-Superzyklus?

Vorsicht, wenn die Leute vom Paradigmenwechsel reden! Was diesmal anders ist, sind der Ausschlag und die Länge des Zyklus, aber es bleibt ein zyklisches Geschäft. Manche sagen „stronger for longer“, das ist vielleicht die richtige Beschreibung, aber gewiss nicht „stronger for ever“.

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