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Roundup 2: Yukos-Konzern vor dem Aus - Insolvenz oder Liquidation

Das Management des russischen Ölkonzerns Yukos sieht keine Zukunft mehr für das Unternehmen. Die Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 20.

dpa-afx MOSKAU. Das Management des russischen Ölkonzerns Yukos sieht keine Zukunft mehr für das Unternehmen. Die Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 20. Dezember sollten nur noch zwischen einem Insolvenzantrag oder einer Liquidation entscheiden können, teilte der Konzern am Freitag in Moskau mit.

Angesichts des angekündigten Verkaufs von Juganskneftegas unterhalb des Marktpreises, der unbegründeten Steuerforderungen der Regierung und dem Druck auf das Management von Staatsseite her könnten keine langfristigen Strategien für das Unternehmen entworfen werden, hieß es in einer Mitteilung.

Auch Notfallprogramm Fraglich

Selbst der Erfolg eines kurzfristigen Plans sei nun in Frage gestellt. Die Yukos-Manager wollten für die nächsten Monate ein Notfallprogramm entwerfen, um auf die erwarteten Schwierigkeiten bei Tochterunternehmen angesichts des Verkaufs des Förderbetriebs zu reagieren. Der extreme Druck des Generalstaatsanwalts in den vergangenen Tagen sei sehr viel durchdachter und strategischer als die bisherigen Angriffe auf das Management, hieß es.

Schlüssel der Misere ist angekündigte Verkauf des Förderbetriebs Juganskneftegas. Der russische Staat hatte damit das Kernstück des Ölkonzerns Yukos zum Verkauf ausgeschrieben - es war der Anfang der Zerschlagung des Imperiums von Michail Chodorkowski. Die Regierung begründet das Vorgehen mit Mrd.-Steuer-Nachforderungen für die vergangenen Jahre. Die Zeitung "Beijing Times" berichtete unterdessen, dass staatseigene chinesische Ölfirmen nicht für Yukos bieten dürften. Die Volksrepublik werde das nicht erlauben, hieß es unter Berufung auf Mitglieder einer nationalen Kommission.

Analyst Sieht Ende DES Yukos-Konzerns

Nach Ansicht von Eugen Weinberg von der Baden-Württembergischen Bank dürften die Nachrichten vom Freitag das Ende des Konzerns bedeuten. Im Prinzip habe sich schon vor einem Jahr abgezeichnet, dass es so enden würde. Ob den Aktionären noch etwas vom Konzern zu Gute komme, hänge davon ab, was noch an Steuerforderungen komme und zu welchem Preis Juganskneftegas verkauft werde. Schon jetzt sei allerdings nur noch wenig übrig: Vom ehemaligen Preis in Höhe von 60 Euro sei die Aktie auf ungefähr drei Euro gesunken. Das Papier bleibe weiterhin spekulativ.

Die Deutsche Bank teilte indes auf Anfrage mit, keine Beteiligung an Yukos zu halten. Zu eventuellen Krediten für den Konzern wollte sich ein Sprecher nicht äußern. Auch die Dresdner Bank hält nach eigenen Informationen weder Aktien an Yukos, noch hat sie dem Konzern Kredite gewährt.

Händler Sehen Image DES Russischen Marktes Kaum Beschädigt

Das Yukos-Management teilte weiter mit, die Geschäfte so lange wie möglich weiter führen zu wollen. Die Verantwortung für die Schädigung des Unternehmens liege allein beim russischen Generalstaatsanwalt.

Dieser einseitigen Darstellung widersprach ein Händler. "Sicher greift hier der Staat ein - aber dem Management wurden auch immer wieder politische Ambitionen nachgesagt. Dem will der Staat nun einen Riegel vorschieben", sagte er. Es solle ein Exempel statuiert werden. Russland als Markt erleidet durch die Geschehnisse nach Ansicht des Händlers nur einen leichten Imageschaden. "Es sind jetzt schon Angst und Hemmungen da. Aber ich halte Russland nach wie vor für einen attraktiven Markt mit großen Gewinnmöglichkeiten. Ob das alles mit rechten Dingen zugeht, ist die andere Frage."

Auch die Branche dürfte nach Ansicht von Analyst Gregor Elze von der Bayerischen Landesbank nur geringfügig betroffen sein. Bei Yukos gehe es letztendlich um unternehmensspezifische Probleme - es könne höchstens sein, dass der eine oder andere Konzern ein Schnäppchen bei einem Verkauf der Yukos-Teile mache. Der Einfluss auf den Markt an sich sei aber nicht sehr groß, sagte Elze.

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